Wie geht guter Sex? – Teil 1/4: Was ist Vanilla-Sex?

Dieser Begriff wurde von der BDSM-Szene entwickelt und bezeichnet die häufigste sexuelle Spielart unter Menschen, also Sex ohne Kontrollaustausch, bei dem alle Beteiligten auf derselben Stufe stehen – im Gegensatz zu BDSM. Der Ausdruck Vanilla ist neutral, nicht abwertend, und sollte auch so verwendet werden.

Leider wird der Begriff Vanilla-Sex / Vanillasex entgegen seiner Bedeutung auch abwertend verwendet, und zwar dann, wenn er mit den Begriffen Blümchen-Sex und Kuschel-Sex gleichgesetzt wird. Das ist falsch, denn Blümchen-Sex bezeichnet eben nicht Vanilla-Sex, sondern durchschnittlich langweiligen oder schlechten Sex von Menschen, die nicht fähig sind, über ihre sexuellen Bedürfnisse und Fantasien (ausreichend) zu kommunizieren.

Eine Variante von Blümchen-Sex ist Kuschel-Sex, bei dem die Beteiligten zwar ihre Genitalien ineinander stecken/aneinander reiben, jedoch das Ziel nicht sexuelle Lust, sondern gemeinsames Kuscheln ist. Ohne Sex würde zwar viel eher eine kuschelige Stimmung entstehen, aber das scheinen die betreffenden Menschen aufgrund der Verwechslung von Sex und Liebe nicht zu wissen – oder sie haben es zumindest noch nie probiert. Kuschel-Sex verdirbt den Beteiligten dadurch sowohl das Kuscheln, als auch den nebenbei stattfindenden Sex, der garantiert nicht aufregend, und im Wiederholungsfall sogar langweilig wird.

Insbesondere Szenegänger_innen der BDSM-Szene benutzen Vanilla-Sex und Blümchen-Sex/Kuschel-Sex gleichbedeutend. Da diese Doppelbedeutung existiert, empfehle ich, in einem Gespräch nachzufragen, welche Bedeutung jetzt gemeint ist. Meistens erschließt sich das jedoch ohnehin aus dem Kontext: In einer überwiegend neutralen Unterhaltung ist tatsächlicher Vanilla-Sex ohne Kontrollaustausch als Spielart gemeint, während es in einer Lästerrunde um die Abgrenzung zu Sex nach der immer gleichen Formel geht, der mit (gesunden) BDSM-Spielarten schon alleine aufgrund der fehlenden Kommunikation inkompatibel ist, und BDSM-Interessierten mit unwilligen Partner_innen entsprechend negative Erfahrungen beschert hat.

Wie geht guter Sex? – Teil 2/4: Organische Chemie

An wen richtet sich der Artikel?
Welche Orientierungen, sozialen Rollen, oder Geschlechter der Artikel anspricht
Sexuelle Orientierung(en): heterosexuell, heterosexuell lebend wenn bisexuell
Romantische Orientierung(en): heteroamor, heteroamor lebend wenn biamor
Geschlecht(er): alle
Wer ist mit Frau und Mann gemeint?
  • Frau steht für Mensch mit Vulva, überwiegend in der Rolle „Frau“
  • Mann steht für Mensch mit Penis, überwiegend in der Rolle „Mann“
Erweiterbar auf: alle sexuellen und romantischen Orientierungen

Manche behaupten, dass jeder Mensch andere sexuelle Vorlieben hat und daher allgemeine Prinzipien für „guten Sex“ nicht definiert werden könnten. Dieser Ansicht bin ich nicht. Während es richtig ist, dass kaum zwei Menschen die exakt gleichen Vorlieben in exakt der gleichen Stärke haben, gibt es sehr wohl einige Grundlagen, wie eine Vulva oder ein Penis beim Sex funktioniert, und was in weiterer Folge guten Sex ausmacht. Da in einer patriarchalen Mehrheitsgesellschaft die Ebene Lust von Frauen wesentlich mehr unterdrückt wird, als die von Männern (deren Unterdrückung betrifft stattdessen die Ebene Liebe), drehen sich die folgenden Artikel mehr um die sexuelle Funktion einer Muschi.

Jeder Körper, der sexuelle Lust empfindet, macht unwillkürlich Kontraktionen mit den Muskeln rund um den Genitalbereich. Viele Menschen spüren das als plötzliche Bewegungen am ganzen Körper, die sie nur mit Mühe unterdrücken können, wenn sie sich selbst befriedigen oder Sex haben.

Bei einem weiblichen Körper funktioniert das so: Wenn ein Dildo, Finger oder Penis in der Scheide hin- und herbewegt werden, und sich das für die Frau lustvoll anfühlt, ziehen sich die Muskeln rund um die Scheide zusammen und entspannen sich wieder. Je mehr Lust die Frau empfindet, desto stärker und schneller. Am stärksten sind diese Kontraktionen während dem weiblichen Orgasmus.

Beim Hetero-Sex, konkret beim Geschlechtsverkehr, nützen die Muskelbewegungen aber nicht nur der Frau, sondern sie massieren auch einen in der Scheide steckenden Penis mit. Das ist für den Mann üblicherweise ebenfalls lustvoll. Beim Ficken bedeutet das für einen Mann: Je mehr Lust die Frau empfindet, desto besser wird sein Penis massiert, und desto mehr Lust wird er selbst empfinden. Daher verhält sich ein Mann, dem die Lust der Frau beim Hetero-Sex „zu viel Arbeit“ ist, eigentlich dumm: Er nimmt sich selbst eine richtig geile Penismassage weg.

Dieses Prinzip ist auf gleichgeschlechtlichen Sex direkt übertragbar:

Bei lesbischem Sex, sei es durch Fingern, Lecken oder einen Dildo, sind die Muskelbewegungen der Frau, die dadurch Lust empfindet, auch für die aktive Frau lustvoll, die so direkt spüren kann, wie ihr Gegenüber ihre Handlungen genießt.

Die Muskeln rund um den After funktionieren genauso wie die rund um die Vulva (bei einem weiblichen und einem männlichen Körper). Bei schwulem Analverkehr, den der passive Mensch lustvoll findet, massieren seine Muskelbewegungen daher den Penis des aktiven Menschen auf die gleiche Weise mit.

Wie geht guter Sex – Teil 3/4: Wie besorge ich es als Mann einer Frau so richtig?

An wen richtet sich der Artikel?
Welche Geschlechter und Orientierungen der Artikel anspricht
Sexuelle Orientierung(en): heterosexuell, heterosexuell lebend wenn bisexuell
Romantische Orientierung(en): heteroamor, heteroamor lebend wenn biamor
Geschlecht(er): Mann
Wer ist mit Frau und Mann gemeint?
  • Frau steht für Mensch mit Vulva, überwiegend in der Rolle „Frau“,
  • Mann steht für Mensch mit Penis, überwiegend in der Rolle „Mann“
Erweiterbar auf:
  • alle Menschen, die sich überwiegend in der Rolle „Mann“ verhalten,
  • alle sexuellen und romantischen Orientierungen

Viele Hetero- oder Bi-Frauen in einer Hetero-Beziehung klagen das folgende Leid:

„Mein Freund/Mann stochert beim Sex nur irgendwie in mir herum. Seine Bewegungen fühlen sich zwar angenehm an, aber aufregend ist der Sex nicht. Ich komme beim Ficken selten / gar nicht. Mit einer anderen Spielart wie Selbstbefriedigung / Oralverkehr klappt es besser.“

Ein Mann, der „herumstochert“, wirkt auf die Frau so, als ob er seine Bewegungen nach dem Zufall oder nur nach seinem eigenen Lustgefühl auswählt.

Dass der Mann so ungeschickt ist, liegt fast immer daran, dass er mit Sex unerfahren ist. Entweder hat er noch nicht oft Sex gehabt, oder seine vergangenen Sex-Erlebnisse und/oder Ex-Beziehungen waren mit Frauen, die ebenfalls unerfahren waren und ihm keine Anleitung geben konnten.

Diese ungeschickte Art ist jedoch keineswegs von der Natur vorgegeben – sondern, wie ich beobachtet habe, eine innere Abfolge aus Irrtümern. Den wenigsten Männern ist es nämlich völlig egal, ob sie der Frau Lust machen. Der Grund ist vielmehr toxische Männlichkeit. In patriarchalen Gesellschaften werden die meisten Männer in ein bestimmtes Verhaltensmuster – die Rolle „Mann“ – erzogen. Sobald ein Mensch die Verhaltensregeln dieser Rolle alltäglich umsetzt, entsteht toxische Männlichkeit.

Eine falsche Überzeugung der Rolle „Mann“ behauptet:

„Mehr ist immer gleich besser.“

Das betrifft natürlich auch die männliche Sexualität – davon kommt die Obsession und der Minderwertigkeitskomplex vieler Männer, ob ihr bestes Stück auch groß genug ist („Größer ist immer gleich besser“). Für die meisten Frauen ist das Ausmaß dieser Sorge eines Mannes oft vollkommen unverständlich, entweder weil sie in der Rolle „Frau“ und damit ohne einen solchen Glaubenssatz erzogen wurden, oder weil sie als Besitzerinnen einer Scheide aus eigener Erfahrung wissen, dass ein zu großer Penis beim Sex kompliziert oder sogar schmerzhaft sein kann. Letzere können den Mann mit dem größten Penis daher als erotisches Experiment durchaus interessant finden, bevorzugen aber für eine längerfristige Verbindung oder eine Beziehung einen Mann mit einer praktischen Größe. Nur wenige Frauen finden einen großen Penis generell am besten.

Beim Hetero-Sex, konkret beim Ficken – aber auch beim Fingern, Lecken, vaginaler Penetration mit einem Dildo sowie analer Penetration – passiert nun Folgendes: Der Mann denkt, dass härter, schneller oder tiefer immer besser ist. Das führt dann zu zwei Verhaltensweisen, über die sich so viele Frauen beschweren, dass diese in Gesprächen unter befreundeten Frauen bereits Klischeestatus erreicht haben:

  1. Am Beginn der Penetration dringt der Mann gleich mal bis zum Anschlag ein, gefolgt von schnellen Stößen, in der Annahme, dass die Frau bei so einem Raketenstart besonders abheben würde.
  2. Sobald die Frau erste Lustsignale zeigt, erhöht er (nochmals) sein Tempo oder stößt tiefer zu. Seine Annahme ist: Wenn seine Bewegungen vorher schon gut waren, dann müssen sie für die Frau schneller oder tiefer ja noch besser sein.

Beide Techniken sind jedoch ein Missverständnis: Die meisten Frauen funktionieren so nicht.

Raketenstart

Damit eine Frau Bewegungen in der Scheide überhaupt lustvoll finden kann, müssen zwei Bedingungen der Fall sein:

  1. Sie muss eine ausreichende vaginale Erektion haben.
  2. Sowohl ihre Scheide als auch der Scheideneingang müssen feucht genug sein.
1. Vaginale Erektion

Solange die Frau eine vaginale Erektion hat, passt sich jede Scheide automatisch an die Länge, Dicke und Form eines eingeführten Penis, Fingers oder Gegenstands an. Diese Anpassung macht lustvoll penetriert zu werden überhaupt erst möglich. Praktischerweise macht das der Körper jeder Frau automatisch, ohne dass sie es bewusst mitbekommt. Wie lange es dauert, bis sich eine vaginale Erektion auf eine eingeführte Größe einstellt, ist allerdings je nach Frau und Situation verschieden – es kann wenige Sekunden, aber auch einige Minuten dauern. Beides ist gesund und richtet sich sowohl nach der Entspannung der Frau, als auch wie gut ihre Scheide vor der Penetration innen und außen „angewärmt“ wurde, was auch Vorspiel genannt wird. Hat sie zu wenig Zeit bekommen, um sich auf die „Füllung“ einzustellen, und/oder haben ihr die bisherigen Berührungen (oder deren Abwesenheit) nicht gefallen, reibt die Penetration an den noch unangepassten Stellen, was sich in der Scheide unangenehm anfühlt.

Die (mögliche) Entspannung der Frau hängt wesentlich davon ab, ob sich der Mann um ihre Wünsche genauso kümmert wie um die eigenen, also, ob ihm Fairness wichtig ist. Leider gibt es immer wieder Männer, die Vorspiel zu geben überflüssig finden, und es nur nach Aufforderung der Frau und sogar dann noch sichtlich genervt anbieten. Das Ironische daran ist, dass sich ein Mann dieses Typs selbst immer ein ausreichendes Vorspiel gönnt, indem er sich mit Fantasien oder Pornos antörnt, oder Hand anlegt. So angewärmt, richtet er samt Erektion seine Aufmerksamkeit auf die Frau, die von seinem Penetrationswunsch überrascht wird, da sie selbst noch nichts getan hat, um in Stimmung zu kommen, und somit klarerweise keine oder zu wenig Erektion hat. Eine weitere Ausprägung desselben Problems ist, dass die Beteiligten gleichzeitig beginnen, und der Mann genießt, wenn die Frau ihm „einen hochbläst“ oder zugreift. Sobald er eine ausreichende Erektion hat, möchte er die Penetration beginnen – während er der Frau gar nicht dasselbe Maß an Zeit und lustvollen Berührungen ermöglicht hat, damit sie ebenfalls eine ausreichende Erektion bekommen konnte.

2. Feuchtigkeit

Zwar wird jede Frau feucht, wenn sie erregt ist, die Flüssigkeitsmenge ist jedoch von Frau zu Frau unterschiedlich. Manche rinnen förmlich aus, andere produzieren nur ein paar Tropfen, die von außen erst nach dem Sex sichtbar sind. Beides ist gesund und sagt nichts darüber aus, wie sehr sie gerade Sex will: Eine sehr feuchte Frau will deswegen nicht unbedingt harten Sex, und eine scheinbar trockene Frau kann gerade völlig spitz sein. Ob sie Lust hat oder nicht, findest du am besten heraus, indem du sie fragst. Gehört sie zu den Frauen, die generell wenig feucht werden, oder hat sie gerade einen weniger feuchten Tag (weil sie zu wenig Wasser getrunken hat, oder gestresst ist), kann eine gute Befeuchtung durch Gleitgel, Spucke, oder schleimhautverträgliche Cremes hergestellt werden (Wasser alleine hilft übrigens nicht, weil es nicht auf der Haut bleibt). Diese Gleitfähigkeit muss allerdings überall in der Scheide, und außen rund um die Scheide gegeben sein – andernfalls haftet und „zieht“ die Penetration an der zu trockenen Stelle und erzeugt dadurch ein unangenehmes Gefühl.

Die ersten paar Stöße sind daher sowohl dazu da, dem Körper der Frau zu ermöglichen, sich ausreichend anzupassen, als auch um die Befeuchtung gleichmäßig zu verteilen.

Wenn der Mann nun mit der größten Tiefe und/oder dem schnellsten Tempo die Penetration beginnt, erzeugt das bei den meisten Frauen nicht etwa die angepeilten Lustgefühle, sondern ein neutrales, langweiliges Gefühl oder ein unangenehmes Ziepen oder Reiben. Wohl eher nicht der ideale Anfang von gutem Sex. Für eine sensible Frau oder eine, die gerade eine Infektion (wie einen Harnwegsinfekt) hinter sich hat, kann diese Technik sogar hauptsächlich schmerzvoll sein, was ihre Lust auf den gerade angefangenen Sex höchstwahrscheinlich abrupt beendet.

Beschleunigung ist nicht gleich besser

Damit eine Frau (und jeder empfangende Sexualpartner) überhaupt Lust empfinden kann, muss sie sich „bewegen lassen“, also sich fallen lassen und mit den Bewegungen der aktiven Seite mitschwingen. Wenn sie Lustsignale zeigt, tut sie das deswegen, weil sie gerade gut mitgeht – sie genießt also die Bewegungen des Mannes, wie sie jetzt gerade sind. Wenn der Mann an dieser Stelle seine Bewegung ändert, verändert er auch die Situation, mit der die Frau gut mitschwingt – wodurch ihre Lustgefühle sofort schwächer werden, oder sogar plötzlich ganz weg sind. Die Frau braucht dann einige Zeit, um sich auf die neuen Bedingungen einzustellen. Sobald sie sich genügend entspannt hat, zeigt sie wieder Lustsignale – und der Mann beschleunigt eine seiner Bewegungen, wodurch ihre Lustgefühle wieder zusammenfallen, usw.

Diese lineare Abfolge zu durchschauen wäre ja noch einfach. Was das Ganze kompliziert macht, ist, dass ein Mann natürlich keine beliebig beschleunigbare Fickmaschine ist, sondern ein Mensch. Deswegen wird der Mann, der versucht, ständig zu beschleunigen und härter zu ficken, irgendwann plötzlich wieder langsamer werden, entweder weil ihm das schnelle Stoßen zu anstrengend geworden ist, oder weil er durch die starke Reizung für seinen Geschmack zu schnell kommen würde.

Das bringt die Frau nun vollständig aus dem Konzept: Jedes Mal, wenn sie sich gerade gut entspannt hat und Lust empfindet, wird ihr das Lustgefühl weggezogen. Außerdem wird der Mann nicht nur abrupt schneller, sondern auch abrupt langsamer, und das in scheinbar zufälliger Reihenfolge, sodass sie nicht weiß, auf was sie sich nun einstellen soll. Das Ergebnis ist entweder eine Frau, die sich beim Sex übermäßig konzentrieren muss, um dabei dauerhaft Lust zu haben oder zu kommen – oder eine Frau, die gar nicht (mehr) mitmacht und die nur darauf wartet, bis er endlich kommt, weil ihr die Konzentrationsübung im Verhältnis zum Lustgewinn zu anstrengend (geworden) ist.

Alle diese Verhaltensweisen gehen darauf zurück, dass der Mann in der patriarchalen Rolle „Mann“ erzogen wurde, weswegen die meisten der beschriebenen Handlungen unbewusst und keine Absicht sind. Allerdings setzen leider viele Männer ihre destruktiven Ansichten aktiv fort, indem sie die Frau beschuldigen, „es nicht richtig zu machen“ oder dass sie oder ihr Körper nicht so funktionieren würde „wie sie eigentlich sollte“, und beleidigen oder slutshamen die Frau, sobald sie ihre „abnormalen“ Bedürfnisse und „nervigen“ Wünsche vor oder während dem Sex mitteilt.

Als Mann kannst du aus dieser Spirale folgendermaßen aussteigen:

Bevor du sie zwischen ihren Beinen anfasst, sorge dafür, dass du deine Hände gewaschen oder desinfiziert hast. Frauen können alleine durch Berührungen von ungewaschenen Händen an oder in ihrer Scheide viele Infektionen bekommen (und weiterverbreiten). Diese Infektionen erzeugen Schmerzen beim Sex, und verkomplizieren den Alltag (etwa durch viele Klogänge). Außerdem dauert die Behandlung mindestens eine Woche oder länger, in der keine Penetration passieren sollte. Expertentipp: Ich habe noch keine Frau getroffen, die kalte Hände beim Sex mag. Wenn du daher nach dem Händewaschen keine kalten Hände haben möchtest, halte deine Handgelenke einige Sekunden lang unter warmes Wasser. Wenn du gerade kein warmes Wasser hast, stecke deine Hände zwischen deine Oberschenkel, bis sie nicht mehr kalt sind.

Fass ihr nicht gleich als Erstes zwischen die Beine. Berühr sie erst einmal an anderen Körperstellen, und zwar so, dass sie Lust empfindet – also nicht zu fest. Mach als Faustregel halb so fest als du eigentlich wolltest. Die meisten Frauen mögen außerdem, wenn du dich von oben oder unten in Richtung Genitalbereich vorarbeitest. Du musst überhaupt kein langes Vorspiel liefern – ein paar bewusste Berührungen reichen völlig. Eine volle Minute Vorspiel, wo du dich ganz auf sie konzentrierst, kann den Unterschied zwischen gutem Sex, den sie wiederholen möchte, und schlechtem Sex, den sie passiv ertragen hat, bedeuten. Erst wenn du das gemacht hast, ist Penetration dran.

Egal wie dringend du sie hart ficken möchtest – wenn du willst, dass sie es genießt, muss sich ihre Scheide an deinen Penis in Größe und Form angepasst haben, bevor du richtig loslegst. Das erreichst du mit einer der folgenden Techniken:

  • Streichle zuerst ihren Scheideneingang, und beginne sie dann langsam (!) zu fingern. Nach kurzer Zeit wirst du spüren, wie ihre Scheide weiter wird. Sobald du bequem so viele Finger in sie schieben kannst, wie dein Penis breit ist, kannst du ihn einsetzen.
  • Schieb deinen Penis ganz tief hinein, beweg dich aber dann nicht weiter, oder mach nur kleine Stöße, um deine eigene Erektion aufrecht zu erhalten. Mach das solange, bis sie ihren ganzen Körper sichtbar entspannt (oder dir sagt, dass du dich bewegen sollst).
  • Beginne die Penetration halb so tief und halb so schnell als du es jetzt gerne hättest. Wenn du Tiefe und/oder Tempo steigern willst, tu das als Faustregel erst nach dem fünften Stoß.

Ausnahme: Sie sagt dir direkt, dass sie kein Vorspiel möchte, sie ein vollkommen anderes Vorspiel heiß findet, oder dass du sofort tiefer oder schneller machen sollst.

Wenn die Frau nach dieser Anfangsphase Lustsignale zeigt, also plötzlich schneller atmet, stöhnt, seufzt, oder „Ja“ sagt, beweg dich exakt so weiter, wie du gerade tust. Dabei ist es übrigens egal, ob du sie gerade schnell oder langsam fickst – Hauptsache, der Rhythmus bleibt gleich! Wähle daher am besten eine ausreichend bequeme Stellung sowie Tiefe und Tempo so, dass du länger als ein paar Sekunden ohne Änderung weitermachen kannst. Wenn du dir schwer tust, bei einem Rhythmus zu bleiben, spiel im Hintergrund Musik mit einem passenden Tempo, und mach einfach weiter. Du wirst sehen, dass du dich automatisch zur Musik bewegst, selbst wenn du dich nicht darauf konzentrierst.

Ändere Tiefe und Tempo nur dann, wenn:

  • sie dir direkt sagt, dass sie es jetzt gerne schneller oder langsamer, tiefer oder weniger tief hätte,
  • du eine bestimmte Bewegung ausprobieren willst,
  • du die Bewegung selbst zu wenig lustvoll findest,
  • oder du unbequem liegst/sitzt/stehst und eine bequemere Position finden willst.

Wenn die Frau nicht (mehr) mitmacht – du also nicht erkennen kannst, ob sie mit dir Sex hat, aber dabei leise ist, gerade döst, im Kopf die nächste Einkaufsliste schreibt, oder auf den in der Nähe laufenden Fernseher starrt – bitte sie darum, dir während dem Sex zu zeigen oder zu sagen, was sich gut anfühlt. Wenn sie nicht stöhnen möchte, ist das kein Problem – sie kann auch einfach „Ja“ an den Stellen sagen, wo es für sie gerade lustvoll ist.

Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die männliche Lust eher in einer stetigen exponentiellen Kurve, die weibliche Lust aber eher in größer werdenden Wellen kommt. Mit zunehmender sexueller Erfahrung gleichen sich die Kurven aneinander an, und haben Eigenschaften von beiden. Wenn sich etwas für die Frau ein paar Sekunden lang eher lauwarm anfühlt, macht das nichts – die nächste Lustwelle ist höchstwahrscheinlich schon auf ihrem Weg. Wenn sie hingegen signalisiert, dass sich etwas länger als eine halbe Minute lauwarm anfühlt und auch nicht besser wird – oder generell eine Reaktion zeigt, mit der du dich nicht auskennst – pausiere deine Bewegungen, und frage sie, was sie sich gerade von dir wünscht. Wenn sie dir das nicht sagen kann, weil sie sich selbst nicht sicher ist, ermutige sie, ein bisschen herumzuprobieren. Wenn sie selbstbewusst ist, wird sie von alleine mit dem Herumprobieren beginnen.

Lass ihr dafür Zeit und Platz: Sie wird nicht sofort die perfekte Position finden (können), und etwa mehrmals Arme, Beine oder Becken neu positionieren, bevor ihr weitermachen könnt. Eventuell fordert sie dich auf, mit den Bewegungen weiterzumachen, und signalisiert kurz darauf, dass sie sich eine weitere Unterbrechung wünscht, weil sich die Stellung doch nicht so gut anfühlt, wie sie dachte.

Wenn du merkst, dass sie ihre Position ohne zu unterbrechen immer wieder ein bisschen verändert, hat das einen Grund: Wenn sie ein Stück von dir wegrutscht, korrigiert sie wahrscheinlich zu viel Druck oder zu tiefe Penetration. Wenn sie sich ein Stück zu dir oder zur Seite bewegt, möchte sie eine Position finden, in der die Stimulation am effektivsten ist. Wenn sie das macht, rutsch daher nicht wieder nach. Das hat ihr vorher schon nicht gefallen, und verwirrt außerdem die Situation. Mach einfach genauso weiter, und lass dich davon antörnen, wie sie es genießt.

Frage sie nicht sofort nach der Änderung, ob sie es besser findet – so schnell kann sie das gar nicht wissen, da sich ihr Körper erst auf die neuen Bedingungen einstellen muss. Mach einfach weiter: Wenn die Änderung eine gute Idee war, wirst du es an ihren erneuten Lustsignalen erkennen. Falls du dir unsicher bist, kannst du natürlich nachfragen – aber bitte mit etwas Zeitverzögerung.

Die folgenden Lösungen sind häufig:

  • die Position geringfügig zu verlagern
  • zusätzliche Befeuchtung zu verwenden oder nachzulegen
  • zuviel Befeuchtung wegzuwischen
  • das Tempo zu ändern
  • die Tiefe zu ändern
  • eine andere Stellung auszuprobieren
  • ihr etwas Abstand zu lassen, damit sie sich selbst zusätzlich streicheln kann

Ein wahrscheinliches Ergebnis ihres Herumprobierens wird sein, dass sie ihre Klitoris streichelt, ein Sexspielzeug verwendet, oder sich an etwas reibt, um zu kommen. Das kann vor, während, und nach der Penetration für sie angenehm sein. Eventuell überrascht es dich, dass sie durch deine Penetration allein nicht kommen kann, weil du das aus Pornos und Sexszenen in Filmen gewöhnt bist. Falls du dich fragst, ob deswegen mit ihr oder mit dir etwas nicht stimmt, kannst du beruhigt sein: Du bist einer häufigen Aufklärungslüge auf den Leim gegangen:

Wenn Frauen einen Orgasmus haben, „kommt“ dieser nicht aus ihrer Scheide, sondern aus ihrer Klitoris. Die sensibelsten Teile der Klitoris liegen außerhalb der Scheide, um und unter der sichtbaren Klitorisperle. Nur eine Minderheit von Frauen können durch Penetration allein einen Orgasmus erreichen, weil ein innerer Teil ihrer Klitoris eine praktische Größe und Position hat, die durch Penetration genügend stimuliert wird. Laut einer Studie aus dem Jahr 2017 liegt diese Minderheit bei einer von fünf Frauen, obwohl ich persönlich weit weniger Frauen mit dieser Fähigkeit getroffen habe. Wenn du also bisher drei Ex-Freundinnen und zwei Aufrisse hattest, und alle durch Penetration allein gekommen sind, oder das zumindest behauptet haben, dann haben, aller Wahrscheinlichkeit nach, mindestens vier von ihnen vorgetäuscht, und eine vielleicht die Wahrheit gesagt.

Alle diese Verhaltensweisen sind gesund und ein wesentlicher Bestandteil von gutem Sex – sie ermöglichen, die besten Bedingungen zu finden, unter denen alle Beteiligten gleichermaßen Lust empfinden können.

Pass auf, falls du feststellst, dass du Ergebnisse ihres Herumprobierens plötzlich nicht so attraktiv findest und ihr das mitteilen möchtest. Das ist nämlich die Stimme deiner verinnerlichten toxischen Männlichkeit. Deine Sexpartnerin / Freundin / Frau wurde in der Rolle „Frau“ erzogen, was bedeutet, dass sie ihr Leben lang vom Großteil ihres Umfelds für ihre Sexualität und Eigeninitiave abgewertet wurde. Dass sie sich nun darauf eingelassen hat, ihren Körper zu spüren, und vor dir damit experimentiert, hat daher bereits eine Menge Mut erfordert. Wenn du ihr Herumprobieren jetzt abschätzig, ungeduldig und/oder genervt über dich ergehen lässt, oder sogar abwertend kommentierst („Du schaust aber seltsam aus!“, „‚Wäh, was machst du da?!“, „Bist du eine Schlampe, oder was?“, usw.), kann das bewirken, dass sie entweder:

  • kein weiteres Mal mit dir Sex haben wird,
  • den Sex verärgert abbricht, und dich aufgrund deines unfairen Verhaltens konfrontiert,
  • ihr Experimentieren beendet, und danach demotiviert das macht, was du dir von ihr erwartest. Das hat üblicherweise Wochen oder Monate zur Folge, in denen ihr entweder langweiligen Sex habt, der jedes Mal genau gleich abläuft, oder sie Sex sogar völlig verweigert, und ihre Ausreden immer kreativer werden (sie etwa jedes Mal, wenn du Sex vorschlägst, „Migräne“ hat). Indem du unbewusst deine toxische Männlichkeit fortgesetzt hast, hast du sie darin bestärkt, in ihre anerzogene Rolle, die Rolle „Frau“, zurückzufallen. Das Ergebis ist toxische Weiblichkeit.

Du kannst diese Reaktion rückgängig machen, wenn du ab sofort ihre „seltsamen“ sexuellen Wünsche als eine natürliche Eigenschaft ihrer Person behandelst: Hör mit dem Slutshaming auf, und mach keine abwertenden Bemerkungen, auch dann nicht, wenn du sie witzig findest. Du würdest es umgekehrt auch nicht lustig finden, wenn sie ein angeekeltes Gesicht macht, nachdem sie dir beim Orgasmus zugesehen hat. Je schneller du diese Verhaltenweisen völlig sein lässt, desto kürzer wird es dauern, bis sie dir wieder genügend vertraut, und ihr eure Quest für guten Sex wiederaufnehmen könnt.

Als beste Strategie schau ihr daher beim Herumprobieren einfach kommentarlos zu und/oder unterstütze sie dabei (Polster zurechtrücken, Gleitgel reichen, usw.). Wenn du merkst, dass du ungeduldig wirst, entspanne dich mit dem Gedanken, dass euer Sex nicht immer so bleiben wird, sondern dass sie gerade Techniken herausfindet, die sie in ein paar Monaten viel schneller anwenden wird (können), weil sie durch das Herumprobieren ein gutes Gespür für ihren eigenen Körper, ihre sexuellen Wünsche, und dich als Sexualpartner entwickeln konnte. Was du sehr wohl mitteilen kannst und auch sollst, sind hingegen Komplimente („Du siehst so gut aus!“), oder wenn es für dich körperlich unangenehm wird („Aua! Das geht nicht, kannst du bitte … machen?“).

Auf den ersten Blick ist eine sexuell unerfahrene Frau, die Sex mit dir sehr wohl genießen möchte, aber einfach nicht besser weiß, wie sie das in die Tat umsetzen kann, nur schwer zu unterscheiden von einer absichtlich ignoranten Frau, die gar kein Interesse daran hat, mit dir Lust zu empfinden, sondern den Sex stattdessen als Währung einsetzt, um von dir romantische Aufmerksamkeit, Geschenke oder finanzielle Unterstützung zu erpressen („sich aushalten lassen“). Die Anwendung aller dieser Maßnahmen ermöglicht dir, zweifelsfrei zu erkennen, welchen der beiden Typen du vor dir hast.

Du hast es wahrscheinlich mit einer absichtlich ignoranten Frau zu tun, wenn sie:

  • auf deine Bitten, dir mitzuteilen, was sie denn gut oder nicht gut findet, nicht reagiert – sowohl während dem Sex, als auch in Gesprächen danach,
  • zwar behauptet, dass sie beim Sex interaktiver sein möchte, aber dann wieder erstarrt und nichts tut, und dich nie wieder darauf anspricht
  • dich aggressiv anfährt, wenn du beim Sex eine Pause machst, und sie freundlich fragst, was sie sich wünscht
  • dir vorhält, dass deine Gesprächsversuche „unreif“ oder „nervig“ wären, und dass „ein echter Mann“ ihre Bedürfnisse von alleine und ohne zu fragen wissen müsse – oder ein vergangener Sexualpartner es einfach so gewusst hätte.

Sollte sie eine dieser Reaktionen ausfahren, brich den Sex am besten ab und fordere faires Verhalten ein. Wenn sie sich nicht auskennt, und nachfragt, hat sie wahrscheinlich aus Angst destruktiv reagiert, da sie voreilig annimmt, dass du sie wie andere Männer vor dir abwerten wirst, sobald sie ehrlich ihre Lust herzeigt. Sei dann sehr freundlich zu ihr, und versichere ihr, dass dir ihre Wünsche beim Sex genauso wichtig sind wie deine eigenen, oder in anderen Worten: dass du fair zu ihr sein wirst. Falls sie jedoch keine Lernbereitschaft zeigt und versucht, einen Streit vom Zaun zu brechen, zieh dich an und gehe, auch dann, wenn die Sexpartnerin deine Freundin/Frau ist. Besser ein Streit, nach dem sie sich auf ein ehrliches Gespräch einlässt, und ihr danach besseren Sex habt, als ein Leben lang schlechten Sex.

Wie geht guter Sex? – Teil 4/4: Wie kann ich als Frau den Sex mit einem Mann genießen?

An wen richtet sich der Artikel?
Welche Geschlechter und Orientierungen der Artikel anspricht
Sexuelle Orientierung(en): heterosexuell, heterosexuell lebend wenn bisexuell
Romantische Orientierung(en): heteroamor, heteroamor lebend wenn biamor
Geschlecht(er): Frau
Wer ist mit Frau und Mann gemeint?
  • Frau steht für Mensch mit Vulva, überwiegend in der Rolle „Frau“
  • Mann steht für Mensch mit Penis, überwiegend in der Rolle „Mann“
Erweiterbar auf:
  • alle Menschen in der Rolle „Frau“
  • alle sexuellen und romantischen Orientierungen

Viele Hetero- oder Bi-Männer in einer Hetero-Beziehung klagen das folgende Leid:

„Ich glaube, dass meiner Freundin/Frau Sex nicht so gefällt wie mir. Sie wirkt meistens ziemlich teilnahmslos und auch mir macht es immer weniger Spaß. Außerdem muss fast immer ich sie nach Sex fragen – sie vermisst es anscheinend nicht.“

Eine Frau, die beim Sex nur wenige oder keine Lustsignale zeigt, wirkt auf den Mann so, als ob sie ihn grundsätzlich sexuell nicht interessant findet.

Dass die Frau so wenig mitmacht, liegt allerdings fast immer daran, dass sie mit Sex unerfahren ist. Entweder hat sie noch nicht oft Sex gehabt, oder ihre vergangenen Sex-Erlebnisse und/oder Ex-Beziehungen waren mit Männern, die ebenfalls unerfahren waren und mit denen sie nicht viel erlebt hat, was sie geil fand.

Allerdings helfen viele Frauen, ohne es zu merken, fleißig dabei mit, dass sie sogar nach mehreren Sexpartnern keine nennenswerte Erfahrung gesammelt haben, wodurch der Sex auch in Zukunft lauwarm oder unbefriedigend bleibt: So gut wie keine Frau hat mit Menschen Sex, die sie überhaupt nicht attraktiv findet. Die meisten Frauen finden daher ihren gewählten Sexpartner / Freund / Mann sehr wohl sexuell interessant. Der Grund ihrer Teilnahmslosigkeit ist vielmehr toxische Weiblichkeit (das Gegenstück zu toxischer Männlichkeit). In patriarchalen Gesellschaften werden die meisten Frauen in ein bestimmtes Verhaltensmuster – die Rolle „Frau“ – erzogen. Sobald ein Mensch die Verhaltensregeln dieser Rolle alltäglich umsetzt, entsteht toxische Weiblichkeit.

Die folgenreichste Überzeugung der Rolle „Frau“ lautet:

„Frauen haben keine eigenen sexuellen Wünsche.“

Sie bewirkt, dass die meisten Frauen bereits früh lernen, allzu sinnliche und sexuelle Gefühle unbewusst zu unterdrücken, und „brav zu sein“, um nicht dauernd negative Reaktionen (auch Slutshaming genannt) ihrer Umgebung zu bekommen.

Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, sind physische Unterdrückungsmechanismen. Frauen sollen „ihre Beine zusammenhalten“, was nicht nur eine Redewendung ist. Jede Person, die beim Sitzen oder Stehen fast immer ihre Beine zusammenstellt oder -presst, entwickelt ständig verspannte Muskeln in den Füßen und Oberschenkeln, welche dann die Nervenbahnen einklemmen, die sexuelle Lust transportieren. Eine andere typische Haltung von Frauen ist ein Bein über das Knie des anderen zu schlagen, um „Bein zu zeigen“ und so eine attraktive Pose zu präsentieren. Dies verstärkt die Unterdrückung zusätzlich, indem es die Nervenbahnen im unteren Rücken einklemmt, sodass der Genitalbereich praktisch taub wird (und in späteren Jahren Rückenschmerzen hinzukommen). Eine Frau, die bereits als Kind in diese Haltungen erzogen wurde, spürt als Erwachsene daher nicht mehr, wenn sie sexuell erregt ist – sie nimmt Lustgefühle erst wahr, wenn sie bereits sehr geil ist.

An diesem Punkt kommt der psychische Unterdrückungsmechanismus hinzu. Eine Frau, die ehrlich kommuniziert, dass sie gerade Sex will, erhält üblicherweise sofort negative Reaktionen: Von patriarchalen Männern, die durch das Selbstbewusstsein der Frau Versagensängste bekommen, oder patriarchalen Frauen, die sexuelle Verfügbarkeit gegen Aufmerksamkeit einhandeln und daher nie „einfach so mitgehen“ wie eine Frau, die Sex für ihre eigene Lust hat.

Dadurch lernen Frauen bereits in der Pubertät, nicht direkt zu sagen, wenn sie Lust auf Sex haben, sondern stattdessen auf eine andere Person zu warten, die Sex initiiert, die dann hoffentlich den richtigen Moment aussucht, wenn sie selbst gerade ebenfalls in Stimmung sind. Dies führt auch dazu, dass Frauen Spielchen und soziale Codes benutzen, die sich darum drehen, Sex zu bekommen, aber Slutshaming zu vermeiden. Die Regel scheint zu sein: Stell genug ins Schaufenster, damit der Richtige aufmerksam wird, aber nicht so viel, dass du das Gesprächsthema der ganzen Einkaufsstraße wirst.

Im Laufe der Zeit produzieren beide Unterdrückungsmechanismen zusammen ein Phänomen, das responsives Verlangen oder responsive Lust genannt wird. Eine Frau mit responsivem Verlangen spürt überhaupt keine eigene sexuelle Erregung (mehr), sondern empfindet nur dann körperliche Lust, sobald eine andere Person sie sexuell berührt. Dies unterscheidet sich von Asexualität dadurch, dass eine asexuelle Frau sogar nach sexuellen Berührungen keine sexuelle Erregung spürt.

Zusammenfassend gesagt: Meistens spürt sie die eigene Lust einfach nicht, und wenn doch, sagt sie es nur indirekt, in einer für das Gegenüber meistens unverständlichen Art. Wenn sie responsives Verlangen hat, wirkt sie sogar so, als würde sie Sex generell uninteressant finden, obwohl sie eigentlich in Stimmung wäre.

Doch damit nicht genug: Die eigene Lust zu unterdrücken erzeugt schlechte Laune(n). Eine Frau, die ihre Sexualität unterdrückt, wird sich daher oft müde, ambivalent, traurig, depressiv, frustriert oder verärgert fühlen, ohne eine Ursache für ihre Gefühle nennen zu können (wenn ihr innerhalb einer Minute ein Grund einfällt, sind ihre Gefühle eine Reaktion darauf, und haben nichts mit ihrem Bedürfnis nach Sex zu tun): „Ich weiß nicht, ich habe irgendwie einen schlechten Tag“. Ein klischeehaftes Beispiel ist die nervöse Hausfrau der 1950er-Jahre. Unglücklicherweise erzeugt dies einen Teufelskreis: Ihre schlechte Laune erstickt endgültig jede sexuelle Erregung, die es irgendwie an den körperlichen und psychischen Unterdrückungsmechanismen vorbeigeschafft hat, was natürlich eine noch schlechtere Laune erzeugt.

Aufgrund dieser Unterdrückungsmechanismen experimentieren Frauen weniger mit ihrem Körper und ihren sexuellen Fantasien als die meisten Männer, und erreichen eine gute Kenntnis ihrer eigenen sexuellen Vorlieben erst in ihren Dreißigern oder später, darunter Erkenntnisse über ihre Lust, die den meisten Männern seit Anfang der eigenen Pubertät klar sind, etwa, welche Berührung wo im eigenen Genitalbereich angenehm ist und welche nicht. Das wiederum führt dazu, dass eine Frau sogar während dem Sex ihre sexuellen Wünsche eher nicht mitteilt – entweder weil sie diese selbst nicht weiß, oder weil sie in voreiliger Annahme oder aus leidvoller Erfahrung Slutshaming seitens des Mannes befürchtet.

Insgesamt schafft die Frau mit ihrem Verhalten eine zutiefst unfaire Situation: Damit Sex stattfindet, muss der Mann fast immer Sex initiieren. Für den Mann bedeutet dies häufige Ablehnung (Wenn sie sich gerade nicht spürt, und daher nicht auf seine Annährungsversuche einsteigt, oder ihr Interesse nur so halb ausdrückt, was der Mann als Desinteresse missversteht) und ständige Selbstzweifel (Wenn es zwar zu Sex kommt, aber er alle Berührungen und Anregungen macht, während sie immer ambivalent bleibt). Er weiß nie genau, warum sie ihn dieses Mal rangelassen hat, oder ob sie wirklich mag, was er tut. Da es die meisten Frauen gewöhnt sind, ständig angeflirtet zu werden und sexuelle Angebote zu erhalten – manchmal in einem Ausmaß, dass es schon nervt – können viele Frauen nicht nachvollziehen, wie zurückweisend und verletzend kein eindeutiges Angebot zu bekommen auf Dauer ist. Sie verstehen dann nicht, warum sich der Mann über ihr fehlendes Interesse beschwert, oder warum er sich emotional zurückzieht, weil er sich unerwünscht oder ungeliebt fühlt.

Alle diese Verhaltensweisen gehen darauf zurück, dass die Frau in der patriarchalen Rolle „Frau“ erzogen wurde, weswegen die meisten der beschriebenen Handlungen unbewusst und keine Absicht sind. Allerdings setzen leider viele Frauen ihre destruktiven Ansichten aktiv fort, indem sie vom jeweiligen Mann erwarten, dass er bereits weiß, was sie sich wünscht, weil er ja (mehr) Pornos schaut, und scheinbar mehr sexuelle Erfahrung hat. Dieses Vorurteil ist nicht völlig falsch – in der Rolle „Mann“ erzogen zu werden, hat seine Sexualität großteils intakt gelassen – allerdings hat er nur mit seinem eigenen Körper mehr sexuelle Erfahrung gesammelt. Mit einem weiblichen Körper ist er höchstwahrscheinlich noch ahnungsloser als die Frau selbst.

Wenn sie das herausfindet, ist sie im häufigsten Fall enttäuscht, weil der Mann ihr nichts Interessantes zeigen kann. Daher lässt sie den Sex halt über sich ergehen, und täuscht Lustsignale, oder sogar ihren Orgasmus vor, um „es“ schneller hinter sich zu haben. Insgeheim ist sie jedoch wütend auf den Mann und projiziert diese Wut auf andere Stellen im Beziehungsleben, wodurch sie außerdem perfekt ihre schlechte Laune abreagieren kann. Der Mann muss dann ohne Information über ihre Bedürfnisse und Wünsche, oder nur mit (oft völlig unbrauchbarem) Halbwissen aus Pornos auskommen, was natürlich (weiterhin) schlechten Sex garantiert.

Als Frau kannst du aus dieser Spirale folgendermaßen aussteigen:

Beginne mit einem Gedankenexperiment: Denke an jemanden, mit dem du immer wieder Sex hast oder hattest, und such dir eine Zeitspanne aus (letzte Woche, einen Monat, etc.). Erinnere dich an die Male, die ihr Sex hattet. Wie hat der Sex angefangen? Wer hat einen eindeutig zweideutigen Scherz gemacht? Wer hat wen gefragt, ob er_sie Lust hat? Wer hat wen als Erstes angefasst? Es zählen nur eindeutige Kontaktaufnahmen, also solche, die eine Person neben euch ebenfalls mitbekommen hätte. Wenn du 50-50 oder 60-40 Prozent in beide Richtungen erreichst, ist alles in Ordnung. Du kannst zur Verantwortung für deine Bedürfnisse während dem Sex (Punkt 3) springen.

Wenn aber die Verteilung in Richtung deines Partners größer ist, weil du viel seltener Sex initiierst als er, dann hast du unbewusst toxische Weiblichkeit laufen, die wahrscheinlich bereits eure Verbindung / Beziehung herunterzieht, was über Zeit noch schlimmer werden wird, wenn du nichts änderst.

1. Körperliche Unterdrückungsmechanismen

Fang damit an, dir deine körperlichen Unterdrückungsmechanismen aktiv abzugewöhnen: Sobald du irgendwo sitzt, egal wo, überprüfe deine Beine. Hast du ein Bein über das andere geschlagen und sitzt mit überkreuzten Beinen? Wickle deine Beine sofort auseinander und stell beide Füße auf den Boden. Und wenn du schon dabei bist, strecke deinen Rücken, sodass du aufrecht sitzt. Dadurch können die Nervenbahnen in deinem unteren Rücken wieder sexuelle Erregung weiterleiten. Als Nächstes achte darauf, wenn du mit beiden Füßen auf dem Boden stehst, aber dabei die Knie oder Oberschenkel zusammendrückst. Stell dann deine Beine auseinander, und sitze erst einmal mit leicht geöffneten Oberschenkeln. Mach das immer weiter, bis du so oft wie möglich mit entspannten, offenen Beinen sitzt. Solange gerade niemand den Platz neben dir braucht, manspreade sogar. Dadurch reduzierst du die Verspannungen in deinen Füßen und Oberschenkeln.

Um in einem patriarchalen Umfeld keine unerwünschte Aufmerksamkeit zu bekommen, musst du eventuell deine Kleiderwahl mitbedenken. Trägst du oft etwas, das einen guten Blick auf deine Unterwäsche ermöglicht, sobald du mit geöffneten Beinen sitzt? Lass es für die Arbeit oder andere Erledigungen in der Öffentlichkeit weg, und trage es nur, wenn du jemanden für Sex kennenlernen willst. Gut geeignet sind Röcke oder Kleider, die über das Knie gehen, sowie dunkle Leggings und Hosen. Praktischerweise trägt dieses Experiment sogar dazu bei, dass dich weniger Männer in der Öffentlichkeit blöd anquatschen, weil übergriffige Männer von einer Frau eingeschüchtert sind, die gerade sitzt („Ich verbiege mich nicht für dich“) und ihren Platz einnimmt („Das ist mein Platz, nicht deiner“), und sich lieber eine Frau, die „damenhaft“ sitzt, als ihr nächstes Opfer aussuchen.

Sich diese Art des Sitzens völlig abzugewöhnen, dauert Jahre. Wenn du diese Änderungen jedoch täglich anwendest, wirst du nach einigen Wochen positive Ergebnisse bemerken: Du wirst feststellen, dass du weniger „schlechte Tage“ hast, dass du dich besser auf etwas konzentrieren kannst, und so Vorhaben besser umsetzen kannst.

Wenn du zusätzlich deine Füße, Oberschenkel, und deinen Rücken mit regelmäßigen Massagen versorgst (egal, ob du es selbst machst, oder jemand Anderes bittest / bezahlst), welche die verbleibenden verspannten Muskeln lockern, wird dieser Effekt noch spürbarer. Dies ist auch der Grund, warum Sportarten wie Gymnastik, Yoga, und Pilates gerade bei Frauen so beliebt sind: Sie öffnen und dehnen genau jene verspannten Muskeln. Wenn du eine solche Sportart im Sinne dieser Anleitung nutzen willst, musst du allerdings dein Training machen und dir die Art des Sitzens abgewöhnen. Sonst verbringst du 15 oder 30 Minuten damit, deine Muskeln zu öffnen, aber die gesamte restliche Zeit bis zum nächsten Training, um sie erneut zu verspannen.

Du wirst auch feststellen, dass du häufiger Lust auf Sex hast, manchmal sogar in unpassenden Situationen. Wenn du über die Häufigkeit überrascht bist, denke daran: Du hattest immer schon so oft Lust auf Sex. Du hast einfach aufgehört, das Gefühl zu erkennen, und hattest stattdessen schlechte Laune.

Wenn andere Menschen auf deine neue Art zu sitzen aufmerksam werden, und dich darauf blöd anreden („Eine Frau sitzt nicht so.“, „Nicht gerade elegant…“, etc.), hör nicht darauf, insbesondere, wenn es Familienmitglieder oder Freund_innen sind. Diese haben damit nämlich verraten, dass sie Fans des Patriarchats sind, und dass sie dein Vorhaben, eine gesunde Frau zu werden, nicht nur nicht unterstützen, sondern sogar erschweren werden. Bereite daher einige Sätze vor, indem du sie vor dem Spiegel übst: „Ich finde es bequem so.“, „Kennen wir uns?! Lassen Sie mich in Ruhe!“, „Na und? *Ich* sitze aber so.“, oder was dir Passendes einfällt. Lass dich mit Fremden nicht weiter auf ein Gespräch ein (geh am besten einfach kommentarlos weg) und verlange mit Familie oder Freunden einen Themenwechsel. Wenn dich bestimmte Menschen immer wieder darauf ansprechen, obwohl du bereits gesagt hast, dass du das nicht magst, überlege, wie oft du diese Menschen wirklich treffen willst, und reduziere den Kontakt entsprechend.

2. Psychische Unterdrückungsmechanismen

Als Nächstes schau dir den psychischen Unterdrückungsmechanismus an. Hast du jemanden, mit dem_der du regelmäßig Sex haben kannst? Wenn du in einer Beziehung oder verheiratet bist, und ihr miteinander sexuell seid oder wart, ist das klar. Wenn du Single bist, wende die gleichen Techniken auf deinen nächsten Aufriss, Sexbekanntschaft oder Date an. Und völlig egal, was gerade dein Beziehungsstatus ist: Befriedige dich regelmäßig selbst. Selbstbefriedigung wirkt wie eine gründliche Dusche für deine Seele, und beugt dadurch vielen psychischen und psychosomatischen Krankheiten vor. Betrachte einen Orgasmus oder lustvolle Berührungen daher als Teil deiner Routine für die Körperpflege.

Sobald du spürst, dass du Lust bekommst, kontaktiere deinen Sexpartner bei der nächsten Gelegenheit, und sag ihm in unmissverständlichen Worten, dass du Sex haben möchtest. Wenn du dich bei der Vorstellung unsicher fühlst, übe erst einmal vor dem Spiegel: „Ich hätte gerne jetzt Sex“, „Du siehst gerade heiß aus. Was hältst du von Sex?“, etc. Wenn du weißt, dass du dein Gegenüber einfach sexuell berühren kannst, tu das, und warte auf die Reaktion. Du wirst die ersten paar Male eine Art inneren Widerstand oder eine unlogische Angst (etwas wie „Mein Gesicht sieht gerade sicher seltsam aus.“) spüren. Das ist dein verinnerlichtes Patriarchat. Schieb diese Gedanken und Gefühle zur Seite, und konzentrier dich auf das, was du tun wolltest. Solche gefühlten Widerstände werden mit der Zeit weniger, und verschwinden mit mehr Erfahrung schließlich völlig.

Wenn all dies zu direkt für dich klingt, denk dir nonverbale Botschaften aus, mit denen du eindeutig und unmissverständlich deinen Wunsch nach Sex deinem Gegenüber mitteilen kannst. Gibt es ein spezielles Kleidungsstück, das du anziehen könntest? Ein Buch, das du auf den Tisch legst? Ein Meme, das du per Handy schicken könntest? Einen kodierten Satz, den du sagen könntest? Sammle ein paar Ideen, und schreib sie auf.

Nimm als Nächstes deine Notizen zur Hand, und rede mit deinem Sexpartner: „Ich versuche, beim Sex mehr Initiative zu zeigen. Ich könnte das anziehen / sagen / tun, um zu zeigen, dass ich gerade Lust habe, und dass ich will, dass du mich anfasst. Was gefällt dir davon am besten?“ Einigt euch auf eine Botschaft, die du privat, und eine, die du in der Öffentlichkeit machen kannst. Das Wichtigste ist, dass ihr diese Methode miteinander besprochen habt, bevor du sie ausprobierst, sodass für deinen Sexpartner glasklar ist, was welche Botschaft bedeutet. Wenn ihr diesen Schritt nicht macht, ist die Methode vollkommen nutzlos, da du deine Lust auf Sex immer noch unklar kommunizierst.

Wenn du die Auflösung deiner körperlichen sowie deiner psychischen Unterdrückungsmechanismen monatelang als tägliches Programm verfolgst, wirst du mit langsam intensiver werdenden Lustgefühlen bei der Selbstbefriedigung und beim Sex belohnt, zusammen mit Orgasmen, die du einfacher erreichst, und die dich besser befriedigen.

3. Verantwortung für deine Bedürfnisse

Wenn du deine Lust nun öfter rechtzeitig spürst, und sie auch klar kommunizierst, bleibt noch ein letztes patriarchales Muster übrig: Übernimm Verantwortung für deine sinnlichen und sexuellen Bedürfnisse und Wünsche nicht nur vor, sondern auch während dem Sex.

Erwarte nicht von deinem männlichen Gegenüber, dass er sich mit einem fremden, weiblichen Körper besser auskennt, als du, die du in so einem Körper steckst. Du spürst immer am besten, was sich angenehm und nicht angenehm anfühlt, daher ist es auch deine Aufgabe, diese Wahrnehmungen und Wünsche mitzuteilen. Sag also etwas, wenn du eine seiner Bewegungen zu fest, zu sanft, zu schnell, zu langsam, zu tief oder zu wenig tief findest. Dabei ist wichtig, dass du das mit Worten tust! Verschiedene Stöhn-Lautstärken oder Atemgeräusche wird dein Sexpartner/Freund/Mann entweder nicht bemerken, und wenn, dann nicht wissen, was sie bedeuten, wenn du ihm nicht vorher die Übersetzung erklärt hast.

Ein Trick, um Missverständnisse über deine Wünsche zu verringern, ist der Folgende: Versetze dich in seine Perspektive, und sage ihm so konket zu möglich, was er tun soll:

Beispiele:

Gut: Besser:
„Nicht so schnell!“ „Mach langsamer!“
„Mhm! Ja!“ „Mhm! Mach bitte nochmal … „
„Das tut weh!“ „Das tut weh. Mach bitte kurz Pause!“
„Gnnn…“ „Streichel mich an …“

Gestalte das Vorspiel aktiv mit. Nimm eine Technik, die für dich bei der Selbstbefriedigung gut funktioniert, und wende sie an, während er dich zusätzlich streichelt. Das Vorspiel als alleinige Aufgabe des aktiven Sexpartners zu betrachten, ist nämlich ziemlich unfair, und eine Form von toxischer Weiblichkeit. Teilt das Vorspiel stattdessen 50-50, oder mindestens 40-60 zwischen dir und ihm auf. Das heißt natürlich nicht, dass er seinen Teil weglassen kann. Sag ihm, welche Berührungen du antörnend findest, welche ganz nett sind, aber schnell langweilig werden, und welche du gar nicht magst.

Falls du noch nicht weißt, was dich geil macht – kein Problem: Ihr könnt dadurch, was sich nicht gut anfühlt, langsam entdecken, was übrig bleibt und sich gut anfühlt. Egal ob aus Unerfahrenheit oder weil du etwas Neues ausprobierst – nimm dir Zeit, um deine optimalen Bedingungen zu finden:

  • Positioniere deine Arme, Hände, und Beine solange neu, bis alles bequem liegt.
  • Lege dich mit Kopf, Rücken, Bauch oder Becken auf Pölster oder zusammengerollte Decken.
  • Setze oder kniee dich so hin, dass deine Füße ausbalanciert sind.
  • Stütze deine Füße auf einen Tisch, einen Hocker oder an die Wand.
  • Bitte den Mann deine Beine zu halten, oder lege sie ihm auf die Schultern.

Mach dir dabei selbst keinen Stress: Es ist völlig gesund, wenn dein Körper ein paar Sekunden braucht, um sich nach einer Änderung auf neue Bedingungen einzustellen, und dann darauf Lust zu empfinden. Warte daher nach jeder Änderung ein bisschen, um festzustellen, ob es jetzt bereits passt. Wenn nicht, kannst du die nächste Änderung ausprobieren. Erlaubt ist alles, was sich für euch beide okay anfühlt.

Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die männliche Lust eher in einer stetigen exponentiellen Kurve, die weibliche Lust aber eher in größer werdenden Wellen kommt. Mit zunehmender sexueller Erfahrung gleichen sich die Kurven aneinander an, und haben Eigenschaften von beiden. Wenn sich also etwas ein paar Sekunden lang eher lauwarm anfühlt, macht das nichts – die nächste Lustwelle ist höchstwahrscheinlich schon auf ihrem Weg. Wenn sich hingegen etwas länger als eine halbe Minute lauwarm anfühlt und auch nicht besser wird, kannst du je nach deinem Gefühl folgende Lösungen ausprobieren:

  • deine Position geringfügig zu verlagern,
  • Gleitgel zu verwenden oder nachzulegen,
  • zuviel Befeuchtung wegzuwischen (sobald Finger oder Vibrator abrutschen),
  • ihm vorschlagen, das Tempo zu ändern,
  • ihm vorschlagen, die Tiefe zu ändern,
  • in eine andere Stellung zu wechseln,
  • dich selbst zu streicheln, oder an etwas zu reiben, um mehr Lustgefühle auszulösen.

Ein wahrscheinliches Ergebnis deines Herumprobierens wird sein, dass du nicht durch Penetration alleine kommen kannst, sondern nur, wenn deine Klitoris direkte Stimulation bekommt, entweder mit der Hand, oral, mit einem Sexspielzeug, oder indem du dich an etwas reibst. Wenn dich das überrascht, weil du aus Pornos oder Sexszenen in Filmen kennst, dass Frauen durch Penetration allein kommen, und du dich fragst, ob deswegen mit dir oder deinem Sexpartner etwas falsch ist, kannst du beruhigt sein: Du bist einer verbreiteten Aufklärungslüge auf den Leim gegangen:

Frauen können mit ihrer Scheide gar keinen Orgasmus haben – der passiert mithilfe der Klitoris. Die für Lust empfänglichsten Teile der Klitoris liegen außerhalb der Scheide – rund um und unter der sichtbaren Klitorisperle. Nur wenige Frauen können allein durch Penetration kommen, weil ein innerer Teil ihrer Klitoris günstig liegt, sodass dieser durch Penetration genügend stimuliert wird. Und sogar solche Frauen erleben durch zusätzliches Streicheln ihrer Klitorisperle oft intensivere Lustgefühle.

Probiere daher aus, wie du deine Klitoris gut streicheln oder dich an etwas reiben kannst, während dein Gegenüber eine andere Stimulation macht (dich anfasst, vaginal fickt, leckt, dich fingert oder dir anal etwas einführt). Manche Frauen können das am besten mit einer Hand, anderen macht ein Vibrator mehr Spaß. Teste auf jeden Fall verschiedene Vibratoren, mit unterschiedlichen Vibrationsabläufen (durchgehend leicht, durchgehend stark, abwechselnd, usw.), um herauszufinden, womit du am einfachsten kommen kannst. Ziele nicht darauf, den bestmöglichen Orgasmus zu haben, das setzt dich nur unter Druck und vermindert dadurch die Intensität deiner Lust und deines Orgasmus. Folge stattdessen dem Grundprinzip aller Bastler: Finde zuerst etwas, das funktioniert, und danach kannst du immer noch herausfinden, wie es besser funktioniert.

Probiere die Möglichkeiten jedes Mal durch, wenn sich etwas unbequem anfühlt. Bitte den Mann dafür ruhig um eine Pause bei seinen Bewegungen, oder dass er dir mehr Bewegungsfreiheit lässt. Erkläre ihm aber kurz, was du vorhast („Warte, ich muss mich einrichten“ / „Ich brauche …“), damit er sich auskennt, und dir gegebenenfalls helfen kann (Dinge geben, Polster zurechtrücken, usw.)

Wenn ein sexuelles Erlebnis / eine neue Variante nicht so funktioniert hat, wie du dir das vorgestellt hast, probiert es ruhig noch einmal – eventuell unter Bedingungen, bei denen du denkst, dass es dieses Mal besser klappt (mehr Zeit, anderer Ort, mit Sexspielzeug oder Gleitgel, das ihr vorher nicht zur Hand hattet). Es spricht übrigens überhaupt nichts dagegen, dass du dich noch weiterstreichelst, wenn die Penetration vorbei ist, und / oder dass du den Mann bittest, dich noch ein wenig zu verwöhnen. Falls er zu früh gekommen ist, oder du ganz einfach länger Lust hast, ist das außerdem eine gute Methode, um seine Refraktionsperiode zu überbrücken, bis er wieder eine ausreichende Erektion bekommt.

Männer geraten aufgrund ihrer anerzogenen Rolle „Mann“ schnell in die Überzeugung, dass sie gegenüber einer Frau immer perfekt „ihren Mann stehen“ müssen, auch wenn er mit dir einer Frau begegnet ist, auf die das nicht zutrifft. Indem du ihn unmissverständlich um Weitermachen oder eine Wiederholung fragst, weiß er, dass du ihn immer noch attraktiv findest, und ihr habt die Chance auf ein weiteres Mal, das ihr beide ohne Stress genießen könnt.

Ein netter Mann wird auf deine Wünsche und dein Ausprobieren Rücksicht nehmen und dir Zeit lassen, und/oder dir mit vorsichtigen Vorschlägen helfen. Je öfter ihr Sex habt, und dabei herumprobiert, desto eher wirst du herausfinden, welche Berührungen, Anregungen, und Stellungen dir wie gefallen, und desto schneller wirst du dich bei den nächsten Malen darauf einstellen können.

Sobald du eine Idee darüber hast, was dich antörnt, sag ihm nicht nur während dem Sex, sondern auch mal im Alltag, was du dir von ihm (wieder) wünscht – oder was dir nichts gibt, und beim nächsten Mal Zeitverschwendung wäre. Sage ihm wieder so konkret wie möglich, was er tun soll:

Gut: Besser:
„Das war echt gut.“ „Mich törnt unglaublich an, wenn du … Mach das bitte jedes Mal!“
„Du machst nie …“ „Kannst du das nächste Mal … probieren?“
„Na gut, für dich.“ „Mir gibt das nix, aber wenn es dich antörnt, kann ich es ab und zu für dich machen.“
„Ich mag das nicht.“ „Ich mag … nicht. Das törnt mich ab. Lass es bitte in Zukunft weg.“

Der Grund für deine Vorlieben, sofern du diesen überhaupt weißt, ist übrigens nicht relevant: Sex funktioniert wie Essen – jedem Menschen schmeckt etwas Anderes am besten. Was andere heiß macht, kann dich völlig kalt lassen – und umgekehrt.

Auf den ersten Blick ist ein sexuell unerfahrener Mann, der dir Lust machen möchte, aber es einfach nicht besser weiß, nur schwer zu unterscheiden von einem absichtlich ignoranten Mann, dem deine sexuellen Wünsche egal sind und der nur auf seine eigene Befriedigung aus ist. Die Anwendung aller dieser Maßnahmen ermöglicht dir, zweifelsfrei zu erkennen, welchen der beiden Typen du vor dir hast.

Aus diesem Grund ist es ein sehr dummes Verhalten, Lustsignale oder gar deinen Orgasmus vorzutäuschen. Bei einem ungeschickten Mann ist es eine unwirksame Strategie: Er wird sich dann die Techniken merken, die dir in Wirklichkeit keinen Spaß gemacht haben und genau jene beim nächsten Mal Sex wieder verwenden. Und bei einem absichtlich ignoranten Mann ist es wie einen Hund zu loben, der gerade auf den Teppich gekackt hat: Er denkt dann, dass sein gepflegtes Desinteresse eh ausreicht und ist beim nächsten Mal noch rücksichtsloser.

Du hast es dann mit einem absichtlich ignoranten Mann zu tun, wenn er:

  • auf deine Mitteilungen nicht reagiert
  • zwar zustimmt, aber dann unverändert weitermacht
  • wenn er versucht, dich zu bereits besprochenen, unerwünschten Berührungen oder Spielarten zu überreden: „Jetzt stell dich nicht so an…“
  • wenn er unerwünschte Berührungen oder Spielarten einfach macht, obwohl du zuvor schon bei mehreren Gelegenheiten gesagt hast, dass dir das nicht gefällt

Sollte er eine dieser Reaktionen ausfahren, brich den Sex am besten ab und fordere faires Verhalten ein. Wenn er sich nicht auskennt, und nachfragt, erkläre ihm sachlich, und ohne Beleidigungen, was du dir von ihm wünscht. Falls er jedoch keine Lernbereitschaft zeigt und blöd redet, zieh dich an und gehe (Ja, auch wenn der Sexpartner dein Freund / Mann ist. Besser ein Streit, nach dem ihr dann besseren Sex habt, als ein Leben lang schlechten Sex.)

Kleiner medizinischer Exkurs

Wenn du Schmerzen beim Sex hast (wie Jucken, Brennen oder Stechen), ist das ein deutliches Zeichen deines Körpers, dass du eine Infektion im Genitalbereich hast. Lass dir das unbedingt von einem Frauenarzt / einer Frauenärztin anschauen.

Leider gibt es aufgrund Stereotypen gegenüber Frauen in der westlichen Medizin so einige Ärztinnen und Ärzte, die nach nur einer Untersuchung Schmerzen beim Sex als „psychisch“ oder „psychosomatisch“ abstempeln. Falls dir das passiert, wechsle den Arzt! In dieser Situation ist das lediglich Fachärztesprech für „Ich weiß nicht, wo das Problem liegt, aber das kann ich nicht zugeben.“ Schmerzen beim Sex können zwar sehr wohl psychische Ursachen haben, wie unbewusste Ängste oder vergangene traumatische Erfahrungen, diese sind aber erst zweifelsfrei feststellbar, wenn alle körperlichen Ursachen entweder ausschließbar sind oder erfolgreich behandelt wurden.

Kein Arzt kann eine genitale Infektion oder gar ein psychosomatisches Problem auf einen Blick korrekt diagnostizieren! Eine professionelle Gynäkolog_in erkennst du daran, dass sie oder er:

  • mehrere Erkrankungen vermutet,
  • dich zu anderen medizinischen Instituten (ein Labor für Geschlechtskrankheiten, Ärzte mit anderen Fachgebieten) verweist, bevor er_sie die Behandlung als abgeschlossen betrachtet,
  • mehrere Medikamente, auch alternative Medizin, zur Behandlung vorschlägt.

Eine nur wenig beachtete, aber häufige Erkrankung ist übrigens Vulvodynie, also Schmerzen in der Scheide und/oder außen an der genitalen Schleimhaut. ohne dass eine aktuelle Infektion feststellbar ist. Allerdings kann Vulvodynie als Folge von chronischen Infektionen mit Bakterien oder Pilzen auftreten, oder eine Begleiterscheinung einer aktuellen Infektion mit HPV sein. Eine wirkungsvolle Therapie gegen Vulvodynie ist eine Behandlung der Vulva mit Softlaser.