Die Distanzskala – Teil 1/4: Vorstellung des Modells

Ich habe ein Modell entworfen, das die Ursprünge zahlreicher Missverständnisse und Konflikte zwischen zwei Menschen erklärt, die Sex anbahnen, miteinander Sex haben, eine romantische Beziehung anbahnen, oder in einer romantischen Beziehung sind. Ich nenne das Modell die Distanzskala.

Während es auf der Näheskala darum geht, wie Menschen Vertrauen aufbauen und ehrlich miteinander kommunizieren können, bildet die Distanzskala das Gegenteil ab. Menschen auf der Distanzskala kommunizieren meistens in hässlichen Spielchen und Racheaktionen – je höher die Stufe, desto härter. Ihr gemeinsames Merkmal ist der Glaubenssatz, dass nur stark sein kann, wer (vermeintlich) schwächeren Mitmenschen etwas wegnimmt. Wer diesem Glaubenssatz folgt, bringt immer mehr Distanz und soziale Kälte zwischen sich und alle anderen Menschen.

Tatsächlich beschreibt die Distanzskala das Patriarchat nach der Transaktionsanalyse als Sammlung von destruktiven Spielen, die in gegenseitiger Interaktion wiederum weitere Spiele hervorbringen. Die Transaktionsanalyse ist eine Disziplin der Psychologie, die der kanadische Psychotherapeut Eric Berne begründet und in den 1960ern in seinem Buch Spiele der Erwachsenen (im englischen Original Games People Play) veröffentlicht hat.

Die Distanzskala basiert auf den traditionellen Geschlechterrollen, also Sammlungen an un- und halbbewussten Annahmen, Überzeugungen und Verhaltensmustern, die Menschen in einer patriarchalen Kultur anerzogen bekommen. Die gegenwärtige feministische Literatur geht davon aus, dass es genau zwei solche Verhaltensmuster gibt, in denen Frauen und Männer jeweils erzogen werden – diese bezeichne ich als die Rolle „Frau“ und die Rolle „Mann“. Durch genaue Alltagsbeobachtungen habe ich allerdings festgestellt, dass in diesem Zusammenhang nicht zwei, sondern acht unterschiedliche Verhaltensmuster existieren – und zwar vier Ausprägungen der Rolle „Frau“, und vier der Rolle „Mann“.

Die vier Verhaltensmuster der Rolle „Frau“ nenne ich:

  • Entitlement Girl,
  • Material Girl,
  • Bitch(prinzessin),
  • Missbrauchstäterin.

Die vier Verhaltensmuster der Rolle „Mann“ nenne ich:

  • Entitlement Guy,
  • Frauenversteher,
  • Traumprinz,
  • Missbrauchstäter.

Wenn ich sage, dass Menschen in der Rolle „Frau“ erzogen werden, meine ich damit: Bezugspersonen und Umgebung bringen dem Kind oder dem_der Jugendlichen durch Vorleben, Belohnung von erwünschtem Verhalten und Bestrafung von unerwünschtem Verhalten das Verhaltenmuster Entitlement Girl bei. Genauso ist es mit der Rolle „Mann“, mit dem Unterschied, dass hier das Verhaltensmuster Entitlement Guy übrigbleibt.

Die Namen der Stufen sind bewusst plakativ gewählt, und folgen damit der Konvention der Transaktionsanalyse, mit möglichst kolloquialen, „drastischen“ Begriffen einen hohen Erkennungswert beim betroffenen Menschen auszulösen. Darin liegt jedoch die Stärke der Distanzskala: Die meisten der beschriebenen Verhaltensweisen sind den betroffenen Menschen großteils unbewusst (was sie nicht weniger destruktiv macht), und können so viel eher bewusst (gemacht) werden. Daraus ergibt sich im Umkehrschluss, welche Verhaltensweisen einem selbst und / oder dem Gegenüber bei der Realisierung einer stabilen, schönen Liebesbeziehung im Weg stehen.

Diese Muster kommen jedoch nicht lose vor, sondern bauen aufeinander auf:

Wie die meisten Spielchen hat die Distanzskala mehrere Härtestufen, in diesem Fall vier, die dasselbe Ziel durch eine andere, destruktivere Strategie verfolgen. Jede dieser Stufen gibt es in zwei Ausprägungen – eine in der Rolle „Frau“ und eine in der Rolle „Mann“:

  • Die Rolle „Frau“ täuscht Sex vor, um unfaire Liebe zu bekommen,
  • Die Rolle „Mann“ täuscht Liebe vor, um unfairen Sex zu bekommen.

Der wesentliche Punkt ist unfaire Liebe und unfairer Sex – denn das wirkliche Ziel der ausführenden Menschen ist ein Machtspielchen, bei dem es darum geht, das Gegenüber anstatt als Menschen als Automaten zu behandeln, der ein gerade vorhandenes Bedürfnis befriedigen soll, ohne dafür eine Gegenleistung geben zu müssen.

Das Grundschema sieht so aus:

Die Distanzskala für alle Menschen
Schweregrad Motivation und Ziel des Spielchens Gemeinsamer Nenner im Verhalten gegenüber anderen Menschen Ausprägung der Rolle „Frau“ Ausprägung der Rolle „Mann“
1. Stufe Anerkennung ohne Gegenleistung von Menschen, die sexuell und/oder romantisch interessant sind Anstrengend, unfair, jammert, ist ständig beleidigt Entitlement Girl Entitlement Guy
2. Stufe Anerkennung ohne Gegenleistung von Menschen, die sexuell und/oder romantisch interessant sind, und der Mehrheit des sozialen Umfelds Vorne zuvorkommend, redet hinterrücks schlecht und betrügt. Material Girl Frauenversteher
3. Stufe Anerkennung ohne Gegenleistung der Mehrheit des sozialen Umfelds, und von Menschen, wo sie sich einfach erschleichen lässt Sagt oder macht genau das, was ein ausnutzbarer Mensch hören will, hält nichts, was er_sie verspricht Bitch Traumprinz
4. Stufe Anerkennung ohne Gegenleistung von Menschen, wo sie sich einfach erschleichen lässt, sowie von jedem erreichbaren Menschen, sofort, und mit Gewalt Misshandelt alle erreichbaren Menschen. Je intelligenter, desto gezielter die Opfer und desto versteckter die Übergriffe. Missbrauchstäterin Missbrauchstäter

Um alle Ausprägungen mit möglichst vielen Alltagsbeispielen zu beschreiben, habe ich jedes Verhaltensmuster zusätzlich in

  • Ablauf des Spielchens (in der Transaktionsanalyse Manöver genannt),
  • Verhalten gegenüber Männern (= Menschen in der Rolle „Mann“, und allen, die mehr Rolle „Mann“ als Rolle „Frau“ zeigen),
  • Verhalten gegenüber Frauen (= Menschen in der Rolle „Frau“, und allen, die dafür gehalten werden).

unterteilt.

Die vollständige Distanzskala für beide Rollen steht am Ende des Artikels.

Die meisten Menschen behalten das anerzogene Verhaltensmuster ihr Leben lang bei. Wenn solche Menschen jedoch als Jugendliche einer Lebenssituation ausgesetzt sind, oder sich als Erwachsene eine solche aussuchen, die ihre sexuellen und/oder romantischen Wünsche immer wieder beschneidet, und sie unbefriedigt und frustriert zurücklässt, kann der betreffende Mensch entlang der Distanzskala hinaufwandern. Ein Entitlement Girl wird dann zum Material Girl, und ein Entitlement Guy zum Frauenversteher. Das Wechseln von einer Stufe zur nächsten dauert üblicherweise mehrere Jahre, während denen der betreffende Mensch unbewusst und schleichend aus der patriarchalen Umgebung übernommene Ignoranzen, Spielchen, und Täuschungsmanöver ausprobiert, bis die neue Stufe im Verhalten sichtbar wird.

Jedes Verhaltensmuster auf der nächsten Stufe bringt erst einmal eine Erleichterung, da die gesuchte Aufmerksamkeit anderer Menschen einfacher „verfügbar“ ist. Das Hässliche an dieser Weiterentwicklung ist jedoch, dass sich durch Spielchen nur kurzfristig Anerkennung erschleichen lässt – Aufmerksamkeit, die alle Beteiligten auch tatsächlich wollen und meinen, also echte, energiegebende Nähe zu anderen Menschen, entsteht dadurch nicht. Im Gegenteil, die energiefressenden Spielchen verstärken das Grundproblem sogar, bis ein erneutes Raufwandern passiert, um mit der unverändert unglücklichen Situation umzugehen.

Übrigens ist es nicht möglich, eine Stufe zu überspringen, da jede neue Stufe immer aus den Erfahrungen und Verletzungen der vorherigen entsteht. Jeder Frauenversteher war einmal ein Entitlement Guy, und jede Bitch einmal ein Material Girl. In besonders patriarchalen Umgebungen (ein kirchentreues Dorf am Land, oder ein Stadtbezirk mit Menschen aus Kulturen, die mehr Patriarchat als die eurozentrische/westliche haben) können Menschen jedoch besonders schnell die Distanzskala hinaufwandern, sodass sie weniger als ein Jahr auf einer Stufe verbringen.

Wenn diese Verändung extrem verläuft, kommt am Ende ein Missbrauchstäter oder eine Missbrauchstäterin heraus. Um ihre unmittelbaren Bedürfnisse zu befriedigen, versuchen diese Typen von Menschen nicht einmal mehr zu kommunizieren, sondern setzen jede gerade verfügbare Gewalt ein – physische Gewalt wie Drohungen, Prügeln, Nötigungen, Übergriffe oder psychische Gewalt wie Tone Policing, Gaslighting, Victimblaming und Erpressung. Diese Endstufe zeigt: Indem Geschlechterrollen bis zur letzten Konsequenz gelebt werden, bringt das Patriarchat ungefiltert „das Böse“ im Menschen hervor.

Solange die Situation allerdings weder großartig besser noch schlechter wird, oder sogar minimale Verbesserungen erfährt, sodass der betreffende Mensch nicht mehr so akut unglücklich ist, stoppt das die Dynamik, und der Mensch verbleibt auf der jeweiligen Stufe.

Ändert derjenige Mensch den eigenen Lebensentwurf hingegen drastisch und erlebt infolge dessen, dass sexuelle und romantische Wünsche befriedigt werden, kann dies sogar bewirken, dass der betreffende Mensch die Distanzskala langsam hinunterwandert: aus einem Material Girl wird wieder ein Entitlement Girl und aus einem Frauenversteher wieder ein Entitlement Guy. Diese Entwicklung kann sogar soweit gehen, dass der Mensch die Distanzskala weitgehend verlässt und einen völlig neuen Charakter entwickelt: einen gesunden Menschen ohne Geschlechterrolle, der unabhängig von den gesellschaftlichen Erwartungen das Leben aktiv gestaltet, das sie, er oder sier wirklich will.

Hier gibt es die volle Distanzskala für die Rolle „Frau“.

Und hier die volle Distanzskala für die Rolle „Mann“.

Die Distanzskala – Teil 2/4: Dynamiken und Vorhersagen oder: Treffen sich zwei im Patriarchat erzogene Menschen…

Sobald zwei Ausprägungen der Distanzskala aufeinander treffen, entfalten sie zusammen ein Rollenreaktions-Bullshit-Bingo (Zitat von Oligotropos über die Distanzskala). Dafür reicht es, wenn lediglich eine Seite ein unfaires sexuelles oder romantisches Interesse hat – und die andere Seite damit einfach nur in Kontakt kommt. Natürlich läuft die Dynamik schneller, wenn beide Seiten ein solches unfaires Interesse haben.

Dabei entfalten die Dynamiken der Distanzskala nur zwischen entgegengesetzten Rollen ihre volle Wirkung: Es braucht also einen Menschen in der Rolle „Frau“ und einen Menschen in der Rolle „Mann“. Das liegt daran, dass ein sexuelles oder romantisches Interesse generell nur zwischen Yin und Yang entstehen kann. Die patriarchalen Rollen sind in dieser Betrachtung eine historisch entstandene toxische Kopie dieses Zusammenspiels: Die Rolle „Frau“ ist ein toxisches Yin (ohne den Yang-Punkt), und die Rolle „Mann“ ist ein toxisches Yang (ohne den Yin-Punkt).

Wenn sich zwei kompatible Menschen in gleichen Rollen (etwa zwei lesbische Frauen in der Rolle „Frau“) begegnen, wechselt oftmals eine Person unbewusst genügend in die andere Rolle, damit ein sexuelles oder romantisches Interesse passieren kann. Dieses Phänomen ist so verbreitet, dass die queere Subkultur eigene Name dafür entwickelt hat: Femme-Butch unter Lesben, sowie Top-Bottom unter Schwulen. Aus diesem Grund tauchen dieselben Verhaltensmuster bei allen sexuellen und romantischen Orientierungen auf.

Aus allen entgegengesetzten Ausprägungen ergeben sich dann 10 verschiedene Dynamiken (vier mal die gleichen vier, minus Duplikate). Diese zehn Situationen entsprechen dann vielzitierten „typischen“ Konflikten und Klischees zwischen Frauen und Männern, die aus eigenen Erfahrungen, Erzählungen anderer und der Popkultur bekannt sein werden. Dabei stimmt die Rolle zwar oft mit dem Geschlecht überein, jedoch können die Rollen genauso:

  • „vertauscht“ sein: die Frau verhält sich in der Rolle „Mann“, und der Mann in der Rolle „Frau“,
  • zwischen zwei Frauen vorkommen: eine Frau verhält sich in der Rolle „Frau“, ihre Partnerin in der Rolle „Mann“,
  • zwischen zwei Männern vorkommen: ein Mann verhält sich in der Rolle „Mann“, sein Partner in der Rolle „Frau“  –
  • und überhaupt kann die Dynamik alle Geschlechter treffen.

Da die patriarchalen Rollen in jeder patriarchalen Gesellschaft allgegenwärtig sind, sind es ebenso die Ausprägungen der Distanzskala. Daher kommen die typischen Konflikte zwischen zwei Menschen jeder Stufe in den meisten Serien, Filmen und Liedern vor, deren Handlung Probleme zwischen Menschen abbildet, die Sex anbahnen, miteinander Sex haben, eine romantische Beziehung anbahnen, oder in einer Beziehung sind.

Im Folgenden habe ich daher einige Lieder zusammengetragen, deren Liedtexte und Stimmungen das Aufeinandertreffen der jeweiligen Stufen ziemlich gut beschreiben. Auch fiktive Charaktere, egal ob aus einem Buch, einem Film oder einer Serie, eignen sich für eine solche Zuordnung. Da die Distanzskala ein Modell über toxische Dynamiken ist, handeln natürlich auch die Lieder, die diese Dynamiken besingen, von Menschen, die Andere ausnutzen, einer unglücklichen Verliebtheit oder Beziehung, oder einer hässlichen Beziehungstrennung.

Alle Lieder gibt es auch als Playlist auf Spotify:

Wissenswertes über Stufe 1:
Fiktive Entitlement Girls:

The Big Bang Theory: Penny

Friends: Phoebe Buffay

The L Word: Tina Kennard

Entitlement Girl singt über sich selbst:

Christina Aguilera – Genie In a Bottle

Fiktive Entitlement Guys:

The Big Bang Theory: Howard Wolowitz

Entitlement Guy singt über sich selbst:

Aus der Serie „American Dad!“, Staffel 1, Episode 12: Stan (Seth MacFarlane) – I Want A Wife (Not A Partner)

Stufe 1 trifft auf Stufe 1:

Hier trifft eine typische Frau auf einen typischen Mann, also ein Entitlement Girl auf einen Entitlement Guy (oder umgekehrt). Beide fahren jeweils eine anerzogene Doppelmoral: Jede Seite hat für die eigene Rolle typische, unfaire Erwartungen an das Gegenüber, das diese sofort, ohne Gegenleistung, und am besten noch freudig erfüllen soll. Das Entitlement Girl erwartet etwa, dass ihr der Mann jedes ihrer Bedürfnisse von den Augen abliest und sofort erfüllt, noch bevor sie etwas sagen müsste. Der Entitlement Guy möchte hingegen, dass sich die Frau jede seiner häufigen Beschwerden und Jammertiraden vollständig anhört, und dann den Grund der Beschwerden sofort erleichtert oder behebt. Dies sind nur zwei häufig vorkommende Werthaltungen aus vielen – von diesen Entitlements, also ungerechtfertigten Erwartungen, hat sowohl ein Entitlement Girl als auch ein Entitlement Guy wahrscheinlich hunderte, mit noch einmal hunderten Variationen je nach Kultur, sozialer Schicht, und Lebensgeschichte.

Entitlement Girl singt über Entitlement Guy:

Aretha Franklin – Respect

Barbara Schöneberger – Das bisschen Haushalt

Entitlement Guy singt über Entitlement Girl:

Robin Thicke, Pharrell Williams – Blurred Lines

Wissenswertes über Stufe 2:

Ein Material Girl oder Frauenversteher auf Stufe 2 hat unbewusst die eigenen Prioritäten verlagert. Während auf Stufe 1 noch Aufmerksamkeit und Anerkennung des sexuellen Interesses oder Beziehungspartners am wichtigsten sind, geht es auf Stufe 2 aufgrund der Enttäuschungen zu zweit hauptsächlich um die Anerkennung von möglichst vielen anderen Menschen. Daraus erklären sich alle typischen Verhaltensweisen der Stufe 2: Die unbedingte Anpassung an die Erwartungen der Mehrheit des sozialen Umfelds, sowie die Tendenz zu heimlichen Flirts oder einer heimlichen Affäre:

  • viel Anerkennung auf einmal des neuen Menschen,
  • Rache für die fehlende Anerkennung des_der Beziehungspartner_in,
  • die Möglichkeit, Menschen zu „testen“, die für dieselbe Anpassung mehr Aufmerksamkeit „bezahlen“ – als Reserve, falls die vorhandene Beziehung nicht mehr genügend liefert,
  • Heimlichkeit, damit die Anerkennung der (sexuell geschlossenen) Mehrheit weiterhin passiert.
Fiktive Material Girls:

The Big Bang Theory: Amy Farrah Fowler

Friends: Monica Geller, Rachel Green

The L Word: Alice Pieszecki

Material Girl singt über sich selbst:

Madonna – Material Girl

Fiktive Frauenversteher:

The Big Bang Theory: Leonard Hofstadter

Friends: Chandler Bing, Ross Geller

How I Met Your Mother: Marshall Eriksen

The L Word: Bette Porter, Helena Peabody

Frauenversteher singt über sich selbst:

Fettes Brot – Jein

Stufe 1 trifft auf Stufe 2:

Ein Mensch hat die Entitlements des Gegenübers langsam satt. Ständig herrscht schlechte Stimmung oder hagelt es Vorwürfe – nie kann er_sie es Recht machen. Um auch mal Ruhe zu haben, beginnt der Mensch, immer öfter nachzugeben, also dem Entitlement Girl / Entitlement Guy nicht mehr zu widersprechen, und „für einen netten Abend“ oder „für den Hausfrieden“ zu tun, was gerade eben verlangt wird – und rutscht damit auf Stufe 2, wird also zu einem Material Girl oder Frauenversteher.

Wer jetzt meint, dass auch mal nachgeben zu können wichtig für eine Beziehung ist, hat Recht. Doch hier gibt immer nur der Mensch auf der Stufe 2 nach, während der Mensch auf Stufe 1 die völlige Erfüllung seiner (von vorneherein unfairen) Erwartung bekommt. Dadurch hat Stufe 2 zwar kurzfristig Ruhe, weil Stufe 1 ausnahmsweise mal zufrieden ist, mittelfristig wird Stufe 2 jedoch immer unzufriedener, da die eigenen Bedürfnisse dauernd zu kurz kommen. Stufe 2 beginnt daher, eine Gegenleistung zu erpressen, indem er_sie das zentrale Bedürfnis des Gegenübers nur gegen „Bezahlung“ im Voraus erfüllt: Ein Material Girl hat nur dann Sex, wenn er ihr etwas Schönes gekauft hat, oder sie zusammen einen romantischen Film gesehen haben. Ein Frauenversteher geht nur dann auf ein Date, oder kuschelt ausgiebig, wenn sie mal wieder einen Blowjob springen ließ.

Material Girl singt über Entitlement Guy:

Tammy Wynette – Stand By Your Man

Barbara Schöneberger – Männer muss man loben

Frauenversteher singt über Entitlement Girl:

Reinhard Mey – Noch’n Lied

Revolverheld – Ich lass für dich das Licht an

Bodo Wartke – Ja, Schatz! (Inhaltswarnung: graphische Schilderung einer Mordfantasie)

Für Stufe 1 erscheint Stufe 2 vorerst als ein angenehmer, netter Mensch, der Bedürfnisse sofort erfüllt, im Gegensatz zu anderen Menschen auf Stufe 1, die ständig die Wünsche des Gegenübers ignorieren, und ihre eigenen in den Vordergrund stellen. Deshalb fühlen sich Menschen auf Stufe 1 sexuell und romantisch eher zu Menschen auf Stufe 2 als zu ihrer eigenen Stufe hingezogen. Nach einiger Zeit begreift Stufe 1 jedoch, dass die eigenen Wünsche nur dann erfüllt werden, wenn er_sie einen Vorschuss auf ein „Konto“ eingezahlt hat (in Form von Zeit, Sex, Rechnungen bezahlen, etc.).

Wenn Stufe 1 genügend gesunde Anteile hat, konfrontiert er_sie an dieser Stelle bald den Menschen auf Stufe 2. Hat Stufe 2 einen Menschen an der Angel, der_die mehr Vorschuss für dieselbe Aufmerksamkeit liefert, verlässt Stufe 2 an dieser Stelle Stufe 1.

Entitlement Guy singt über Material Girl:

Kanye West, Jamie Foxx – Gold Digger

CeeLo Green – F*ck you

Entitlement Girl singt über Frauenversteher:

JoJo – Leave (Get Out)

Rihanna – Take a Bow

Haben Stufe 1 und Stufe 2 hingegen weiter Sex oder eine Beziehung, versucht Stufe 1, den Misstand auszugleichen, indem er_sie ebenfalls nur gegen einen Vorschuss Aufmerksamkeit hergibt – und wandert dadurch ebenfalls auf Stufe 2.

Stufe 2 trifft auf Stufe 2:

Beide Menschen haben in der Beziehung als wichtigstes Ziel die Anerkennung der Mehrheit ihres sozialen Umfelds. Daher befinden sich zwei Menschen auf Stufe 2 in einem ständigen Konkurrenzkampf um die Aufmerksamkeit anderer Menschen: Ein Material Girl setzt Sex ein, damit er ihr etwas Schönes kauft, das sie dann ihren neidischen Freundinnen, Arbeitskolleginnen oder Nachbarn stolz präsentieren kann. Ein Frauenversteher setzt romantische Aufmerksamkeit und Geld ein, damit sie sich genauso kleidet und verhält, damit ihn seine Kumpels, Arbeitskollegen, oder Nachbarn um seinen „Fang“ beneiden. Natürlich eignet sich dafür auch jedes andere Statussymbol, wie der tolle Job, den er haben muss, oder das schöne Haus, das sie einrichtet, etc. Um die persönlichen Bedürfnisse der beteiligten Menschen geht es fast nie.

Material Girl singt über Frauenversteher:

Black Eyed Peas – My Humps

Peggy Lee – Big $pender

Gitte Haenning – Ich hab geglaubt, du bist verliebt

Frauenversteher singt über Material Girl:

Udo Jürgens – Ich war noch niemals in New York

Die Prinzen – Alles Nur Geklaut

Frauenversteher und Material Girl singen übereinander:

Big Brovaz – Favourite Things

Aus der Serie „Buffy the Vampire Slayer“, Staffel 6, Episode 7 (die Musical-Folge):
Xander (Nicholas Brendon) and Anya (Emma Caulfield) – I’ll Never Tell

So steigt die Frustration, bis die Beteiligten mehr nebeneinander als miteinander leben, oder sogar bis das scheinbar perfekte Paar, dessen Beteiligte aus Sicht der Umgebung „alles (erreicht) haben“, entweder aufgrund einer aufgeflogenen Affäre, oder eines heftigen Beziehungskrachs über all die verschwiegenen Bedürfnisse, in einer hässlichen Beziehungstrennung endet.

Lieder über eine Beziehungstrennung von zwei Menschen auf Stufe 2:
Frauenversteher singt über Material Girl:

Sunrise Avenue – Fairytale Gone Bad

Frauenversteher und Material Girl singen übereinander:

Gotye and Kimbra – Somebody That I Used To Know

Wissenswertes über Stufe 3:

Einem Menschen auf der Stufe 3, also einer Bitch oder einem Traumprinzen, geht es zwar immer noch um die Anerkennung möglichst vieler Menschen, jedoch gestalten diese die Suche nach Anerkennung „effizienter“: Die Meinung der Mehrheit des sozialen Umfelds ist nur solange wichtig, bis sich ein Opfer findet, welches sich durch Manipulationen leicht ausbeuten lässt, also für möglichst wenig Aufwand möglichst viel Aufmerksamkeit zur Verfügung stellt.

Für ihre Manipulationen setzen sowohl Bitch als auch Traumprinz im sozialen Umgang eine „Maske“ auf: Sie sagen und machen ganz genau das, was das Gegenüber ihrer Meinung nach hören will, und bekommen damit im Vergleich zu den unteren Stufen schnell viel Aufmerksamkeit.

Diese Maske ist jedoch für beide Seiten toxisch: Menschen auf Stufe 3 erleben dabei einen immer größeren Identitätsverlust – sie wissen bald selbst nicht mehr, was jetzt Maske, und was sie selbst sind.

Bei einem anfälligen Gegenüber löst die Maske hingegen eine konkrete Idealisierungsfantasie aus: Der Mensch auf der Stufe 3 ist dann plötzlich „sooo toll“ oder „sooo interessant“, ohne dass dieser Mensch irgendetwas Tolles oder Interessantes getan hätte – wenn sich die Menschen bereits kennen, lassen sich bei Stufe 3 sogar Reaktionen mit dem exakten Gegenteil finden (langweilig, ungut, verletzend) – die sich der betroffene Mensch mit der Idealisierung üblicherweise wegerklärt. Je kompatibler die Menschen hinsichtlich Erziehung, Werthaltungen, und Lebensgeschichte sind, desto konkreter kann die Idealisierungsfantasie werden. Deshalb bewundern für Idealisierungen anfällige Menschen nicht automatisch jeden Menschen auf Stufe 3.

Sobald Stufe 3 die eigenen Andeutungen oder Versprechungen jedoch einlösen müsste, und dadurch keinen sofortigen Vorteil erlebt, ist Stufe 3 sofort weg, eine neue, „billigere“ Aufmerksamkeitsquelle suchen. In einer Beziehung versprechen Menschen auf Stufe 3 daher gerne Bindung (das bringt Aufmerksamkeit) und verweigern sie im Anlassfall („Was, du bist krank? Nein, ich hab gerade keine Zeit.“) oder beenden sogar plötzlich die Beziehung, nur um wenig später wieder zurück zu wollen. Solche Aktionen bezeichnen Menschen auf Stufe 3 dann gerne als „erwachsen“, „unabhängig“, oder „Freiheit“.

Die Dynamik zwischen einer Frau auf Stufe 1 (Entitlement Girl) oder Stufe 2 (Material Girl) und einem Mann auf Stufe 3 (Traumprinz) ist darüber hinaus einer der Grundpfeiler des Patriarchats, weil sie bei Frauen die Unterdrückung von sexuellen, und bei Männern die Unterdrückung von emotionalen Bedürfnissen noch weiter verstärkt. Mehr dazu unter: Warum stehen Frauen auf Arschlöcher?

Fiktive Bitches:

The Big Bang Theory: Bernadette Rostenkowski

How I Met Your Mother: Lily Aldrin, Robin Scherbatsky

The L Word: Jenny Schecter (am Anfang der Serie)

Fiktive Traumprinzen:

Friends: Joey Tribbiani

How I Met Your Mother: Barney Stinson, Ted Mosby

The L Word: Shane McCutcheon, Eva „Papi“ Torres

Traumprinz singt über sich selbst:

The Who / Limp Bizkit – Behind Blue Eyes

David Lee Roth – Just a Gigolo / I Ain’t Got Nobody

Stufe 1 trifft auf Stufe 3:

Ein kompatibler Traumprinz oder eine Bitch kann durch die „Maske“ bei einem Menschen auf der Stufe 1, also einem Entitlement Girl oder -Guy, eine Idealisierungsfantasie auslösen.

Für Stufe 1 reagiert Stufe 3 durch das typische „Komm her – geh weg“-Spielchen immer wieder unvorhersehbar, und erscheint dadurch als „erfahren“, „interessant“, oder einfach „anders“ – im Gegensatz zu anderen Menschen auf Stufe 1, die immer die gleichen ignoranten Manöver probieren. Dann gibt es aber noch Menschen auf Stufe 2, die nett und angenehm wirken, im Gegensatz zu den „Launen“ von Stufe 3. Deshalb fühlen sich Menschen auf Stufe 1 erst einmal sexuell und romantisch zu Menschen auf Stufe 2 hingezogen. Nach einiger Zeit jedoch langweilt sich Stufe 1 mit Stufe 2, und zwar sobald Stufe 2 durch die immer gleichen „Ja, Schatz“-Reaktionen ebenfalls vorhersehbar wird. An dieser Stelle findet Stufe 1 einen unvorhersehbaren Menschen auf Stufe 3 plötzlich ungeheuer interessant.

Entitlement Girl singt über Traumprinz:

Pat Benatar – Treat Me Right

Alicia Keys – Fallin‘

Miley Cyrus – Wrecking Ball

Maria Bill – I mecht landen

Stufe 3 sieht Stufe 1 einerseits als „Frühstück“, weil Stufe 1 unerfahren ist, und naiv auf die meisten Manipulationen von Stufe 3 hereinfällt.

Traumprinz singt über Entitlement Girl:

Guns N’Roses – It’s So Easy

Michael Jackson – Billie Jean

Georg Danzer – Vorstadtcasanova

EAV – Küss die Hand, schöne Frau (Unzensierte Maxi-Version)

Bitch singt über Entitlement Guy:

Ariana Grande – Thank U, Next

Andererseits jedoch erinnert Stufe 1 den Menschen auf Stufe 3 unbewusst an eine einfachere Zeit – als Stufe 3 selbst noch an eine bessere Welt glaubte. Deswegen verklärt Stufe 3 gerne Stufe 1 als „Neuanfang“, „unschuldige Jugend“, und dergleichen. So sind männliche Traumprinzen oft von weiblichen „Jungfrauen“ fasziniert, da sie diesen zuschreiben, aufgrund ihrer Unerfahrenheit selbst die unbemühteste und ignoranteste Art Sex (wenig Aufwand) noch beeindruckend zu finden (viel Aufmerksamkeit). Diesen Eindruck enttäuscht Stufe 1 jedoch schnell – einerseits weil Stufe 1 ein individueller Mensch ist, andererseits durch die typischen unfairen Erwartungen und Ignoranzen.

Damit Stufe 3 unvorhersehbar reagieren (und so auch manipulieren) kann, braucht er_sie jedoch ein vorhersehbares Gegenüber. Die eigene Fehleinschätzung verunsichert Stufe 3 daher völlig, worauf Stufe 3 nicht selten mit Paranoia reagiert, und hinter jedem indirekten Kommunikationsversuch oder aufgeblasenen Geschichte von Stufe 1 ein Manöver nach dem eigenen Stil vermutet. Um sich weiterhin mächtig zu fühlen, beginnt Stufe 3 daher, Stufe 1 bei jeder Gelegenheit nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ emotional zu attackieren.

Wenn Stufe 1 genügend gesunde Anteile hat, verlässt er_sie an dieser Stelle bald den übergriffigen Menschen auf Stufe 3.

Entitlement Girl „am Weg raus“, singt über Traumprinz:

Taylor Swift – I Knew You Were Trouble.

Kelly Clarkson – Since U Been Gone

Jennifer Lopez – Qué Hiciste

Gloria Gaynor – I Will Survive

Stefanie Werger – Stoak wie a Felsen

Entitlement Guy „am Weg raus“, singt über Bitch:

Wise Guys – Nur für dich (beginnt als Frauenversteher, wechselt mitten im Lied auf Entitlement Guy)

Wünscht sich Stufe 1 hingegen weiter Sex und/oder eine Beziehung von Stufe 3, und hält deswegen Kontakt, wandert er_sie bald auf Stufe 2, um über „Ich mach alles, was du willst“ mehr (positive) Aufmerksamkeit von Stufe 3 zu bekommen. Das Ignorieren der eigenen Bedürfnisse macht den betroffenen Menschen allerdings anfälliger für Idealisierungen, was eine besonders hässliche Dynamik (siehe Stufe 2 trifft auf Stufe 3) in Gang setzt.

Stufe 2 trifft auf Stufe 3:

Menschen auf Stufe 2 sind besonders anfällig für eine Idealisierungsfantasie, da sie ständig mit der Wunscherfüllung von anderen beschäftigt sind (den Entitlements der Stufe 1 oder den Erwartungen der Mehrheit auf Stufe 2), und in der Idealisierungsfantasie einen Menschen sehen, der endlich ihnen ihre tiefsten Wünsche erfüllt (wenigstens im Traum…).

Material Girl singt über Traumprinz:

Connie Francis – Schöner Fremder Mann (über eine Idealisierungsfantasie)

Carly Rae Jepsen – Call Me Maybe

Boney M – Daddy Cool

Britney Spears – Toxic

The Cardigans – My Favourite Game

Frauenversteher singt über Bitch:

James Blunt – You’re Beautiful (über eine Idealisierungsfantasie)

Radiohead – Creep

Hozier – Take Me To Church

Soft Cell – Tainted Love

Alice Cooper – Poison

Xavier Naidoo – Sie sieht mich nicht

Dies ist jedoch eine Falle. Denn Stufe 3 erfüllt von den angedeuteten oder versprochenen Dingen nur den Bruchteil, der gerade bequem ist. Sobald Stufe 3 sich genügend Aufmerksamkeit (in Form von Sex, Freundschaft, Liebe, etc.) geholt hat, verliert er_sie bald das Interesse am Gegenüber. Wie lange dieses Interesse anhält, ist manchmal ein geplantes Machtspielchen, meistens jedoch ganz einfach unklar, bis eine Gelegenheit für mehr Aufmerksamkeit die Sache kurzfristig entscheidet. Gerne hält sich Stufe 3 daher Stufe 2 mit gelegentlichen kurzen Kontaktaufnahmen für die nächste Aufmerksamkeitslieferung warm.

Geht eine solche Manipulation über Monate oder Jahre, produziert sie auf Stufe 2 emotional zutiefst verletzte und enttäuschte Menschen, die oft Jahre brauchen, um Misstrauen gegenüber neuen Menschen abzustellen, und sich (wieder) auf etwas Ernsthaftes einzulassen. Auf Stufe 3 entstehen getriebene Menschen, die sich nie einem anderen Menschen öffnen, sondern nur mehr für den nächsten Aufmerksamkeitsschuss leben, weil sie in sich selbst keine Bedeutung mehr finden.

Traumprinz singt über Material Girl:

Mark Ronson & Bruno Mars – Uptown Funk

Roger Cicero – Kein Mann für eine Frau

EAV – Märchenprinz

Die Ärzte – Zu Spät

Bitch singt über Frauenversteher:

Britney Spears – Oops!…I Did It Again

Marshmello & Anne-Marie – FRIENDS (was nach „Oops!…I Did It Again“ üblicherweise passiert)

Carrie Underwood – Before He Cheats

Aus dem Musical „Cabaret“: Sally Bowles  – Mein Herr

Stufe 3 trifft auf Stufe 3:

Hier treffen eine Bitch und ein Traumprinz aufeinander. Beide handeln nach dem Motto: „Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt“. Und tatsächlich ähnelt ein sexuelles oder romantisches Interesse zwischen beiden einem strategisch geführten Krieg. Beide Seiten versuchen sich gegenseitig zu manipulieren, mit dem Ziel, möglichst wenig Aufmerksamkeit, also auch Interesse am Gegenüber, herzugeben.

Hat eine Seite „zu viel“ Bedürftigkeit gezeigt, und droht dadurch das Spielchen zu verlieren, wird mit Manipulationen anderer Menschen (siehe Stufe 1 trifft auf Stufe 3 und Stufe 2 trifft auf Stufe 3) der eigene „Punktestand“ aufgebessert.

Wenn eine Seite schon länger auf Stufe 3 ist, die andere jedoch gerade erst die Stufe erreicht hat, bewundert der unerfahrene Mensch oftmals, dass der erfahrene auf Manipulationen nicht reagiert, und lässt sich darum mit ihm_ihr ein. Der erfahrene profitiert dabei von der billigen Aufmerksamkeit des unerfahrenen. Treffen zwei sexuell inkompatible Menschen auf Stufe 3 aufeinander, „adoptiert“ der erfahrene nicht selten den unerfahrenen Menschen, und versorgt diese_n mit Tipps, wie Manipulationen gelingen. Natürlich wendet der unerfahrene Menschen die gelernten Spielchen sofort auf den erfahrenen an, sollte der_die einmal einen schwachen Moment haben.

Traumprinz singt über Bitch:

Justin Timberlake – Cry Me A River

Blackstreet ft. Dr. Dre, Queen Pen – No Diggity (ein unerfahrener Traumprinz über eine erfahrene Bitch)

Wolfgang Ambros – Die Blume aus dem Gemeindebau (ein unerfahrener Traumprinz über eine erfahrene Bitch)

Rammstein – Du Hast

Bitch singt über Traumprinz:

Icona Pop – I Love It

Lady Gaga – Poker Face

Britney Spears – …Baby One More Time

Katy Perry – Hot N Cold

Taylor Swift – We Are Never Ever Getting Back Together

Gitte Haenning – Freu dich bloß nicht zu früh

Wissenswertes über Stufe 4:

Menschen auf der Stufe 4, also Missbrauchstäter und -innen, wissen sehr genau, dass sie mit ihrem Verhalten ihren Opfern schweren Schaden zufügen und/oder kriminell sind. Da zuvor sie auf der Distanzskala hinaufgewandert sind, denken sie jedoch, dass dies der einzige Weg sei, um garantiert Bedürfniserfüllung und Aufmerksamkeit von anderen Menschen zu bekommen: „Die anderen würden mich auch einfach sterben lassen!“

Daher wählt Stufe 4 das eigene Umfeld mit Bedacht aus – es muss genügend Opfer haben, die sich nicht wehren, damit Stufe 4 Aufmerksamkeit bekommt, sowie verlässliche Mitläufer_innen, die Missstände gegenüber den Opfern sowie Außenstehenden wegerklären.

Dazu benutzt Stufe 4 die „Maske“, die er_sie auf Stufe 3 gelernt hat, und setzt sie gezielt ein, um bei misstrauisch gewordenen Gegenübern eine Idealisierungsfantasie auszulösen, und damit sowohl Opfer als auch Mitläufer_innen zu steuern. Damit kann ein prügelnder Lebensgefährte lange genug gegenüber seiner Frau beteuern, dass es ihm sooo Leid tut, bis sie ihn zurücknimmt, oder eine Frau, die ihre Erpressungen zu weit getrieben hat, die arme, treusorgende Ehefrau spielen, die ja „nur das Beste“ für ihren Mann wollte.

Fiktive Missbrauchstäterinnen:

The L Word: Jenny Schecter (am Ende der Serie)

Stufe 1 trifft auf Stufe 4:

Ein Mensch auf der Stufe 1 (Entitlement Girl oder -Guy) findet einen kompatiblen Menschen auf Stufe 4 (Missbrauchstäter_in) ähnlich „anders“ oder „interessant“ wie Stufe 3, und zwar wenn die geübte „Maske“ von Stufe 4 eine Idealisierungsfantasie auslöst. Diese Fantasie ist auf Stufe 1 allerdings noch leicht verstörbar. Das passiert, sobald sich Stufe 4 in Sicherheit wähnt, die Maske daher weglässt, und das Gegenüber misshandelt. Dann gibt es für Stufe 1 zwei Möglichkeiten, zu reagieren:

Wenn Stufe 1 genügend gesunde Anteile hat, verlässt er_sie an dieser Stelle bald den übergriffigen Menschen auf Stufe 4.

Wünscht sich Stufe 1 hingegen weiter Sex und/oder eine Beziehung von Stufe 4, und hält deswegen Kontakt, wandert er_sie bald auf Stufe 2, um über „Ich mach alles, was du willst“ Stufe 4 keinen Grund für Misshandlungen zu geben. Das Ignorieren der eigenen Bedürfnisse macht den betroffenen Menschen allerdings anfälliger für Idealisierungen, was die Dynamik von Gewalt in der Beziehung (siehe Stufe 2 trifft auf Stufe 4) in Gang setzt.

Stufe 2 trifft auf Stufe 4:

Sobald ein Material Girl oder Frauenversteher auf Stufe 2, und eine Missbrauchstäterin oder ein Missbrauchstäter auf Stufe 4 ausreichend kompatibel sind, beginnt die Katastrophe:

Stufe 2 ist durch sein Verhalten sowohl das perfekte Opfer, weil am anfälligsten für Idealisierungsfantasien, als auch der perfekte Mitläufer, wegen der unbedingten Anerkennung des sozialen Umfelds. Stufe 4 „organisiert“ sich daher mithilfe der „Maske“ einen möglichst hilflosen Menschen auf Stufe 2. Seine Spielchen betreibt Stufe 4 so lange, bis Stufe 2 entweder hündisch ergeben ist, und/oder existenziell abhängig, indem er_sie kein eigenes Geld mehr verwaltet, und / oder von allen anderen bedeutsamen Menschen abgeschnitten ist. Ist das eingezogen, lässt Stufe 4 der eigenen Gewalt freie Bahn, und bedient nur dann die „Maske“, wenn sich das Opfer durch andere Mittel nicht kontrollieren lässt.

Stufe 2 versteht hingegen die Welt nicht mehr:

„Als wir uns kennengelernt haben, war er_sie ganz anders.“

Um möglichst wenig Gewalt abzubekommen, fügt sich Stufe 2 jeder Regung von Stufe 4, und versucht jede Kleinigkeit Recht zu machen – und holt sich fehlende Anerkennung anderswo. Stufe 4 findet jedoch, dass jegliche Aufmerksamkeit und Anerkennung von Stufe 2 ihm_ihr „allein gehört“, und befürchtet, dass Stufe 2 durch Kontakt zu anderen Menschen jemand Besseren finden könnte. Deswegen veranstalten Menschen auf Stufe 4 regelmäßig paranoide Eifersuchtsdramen, und halten ihre Opfer durch Drohungen oder Wegsperren von anderen Menschen fern. Wenn Stufe 4 durch dieses Verhalten auffliegen würde, lässt Stufe 4 zwar Kontaktpersonen zu, allerdings nur solange diese völlige Mitläufer_innen (mehr auf Stufe 2 als das Opfer, oder Stufe 3) sind.

Währenddessen versucht Stufe 2 die Dramen und die Gewalt von Stufe 4 nach außen hin so gut wie möglich zu verstecken, und hält krampfhaft das Bild der „heilen Familie“ aufrecht, um nicht auch noch die Anerkennung des sozialen Umfelds zu verlieren.

Missbrauchstäter singt über Material Girl:

Die Toten Hosen – Alles aus Liebe

Stufe 3 trifft auf Stufe 4:

Manipulationen, die bleibenden Schaden hinterlassen, hat der Mensch auf Stufe 3 bisher vermieden – die waren ihm_ihr dann doch nicht ganz geheuer. Doch da Menschen auf Stufe 3 nichts wichtiger ist als Status, und geschickte Missbrauchstäter_innen in einer patriarchalen Gesellschaft oftmals einen hohen Status haben, blickt ein Mensch auf Stufe 3 bald bewundernd auf einen skrupellosen Menschen auf der Stufe 4: Diese Menschen schrecken vor nichts zurück, und bekommen dadurch jederzeit alles, was sie sich gerade einbilden. Also möchte Stufe 3 unbedingt Aufmerksamkeit von Stufe 4 bekommen, um dadurch im Status befördert zu werden – und um bei dessen Opfern nachzutreten.

Für Stufe 4 ist Stufe 3 natürlich ein willkommener Trottel, den er_sie genauso wie alle Anderen in seiner Umgebung ausbeuten kann. Im Gegensatz zu den unteren Stufen ist Stufe 3 jedoch praktisch, da dessen ständige Manipulationen unerwünschte Menschen verwirren oder fernhalten, welche sonst die Machenschaften des_der Missbrauchstäter_in aufdecken würden.

Bitch singt über Missbrauchstäter:

Lady Gaga – Bad Romance

Stufe 4 trifft auf Stufe 4:

Zwei Menschen auf Stufe 4, die miteinander Sex haben, oder in einer Beziehung sind, wissen beide, dass ihr Gegenüber ohne Hemmungen jede erdenkliche Gewalt anwenden wird. Daher erhalten sie ihren Zustand durch ein „Gleichgewicht des Schreckens“ aufrecht. Dazu gestehen sich beide ein eigenes Netzwerk aus Opfern zu, an denen sie sich abreagieren können. Die Stimmung schwankt dabei zwischen Auflauern zum Selbstschutz und Bewunderung, wenn dem Gegenüber ein besonders guter „Coup“ gelungen ist.

Missbrauchstäter singt über Missbrauchstäterin:

Scissor Sisters – I Can’t Decide

Die Einzementierung der patriarchalen Lüge – Teil 2/2: In der queeren Szene oder: Das Patriarchat ist tot. Es lebe das Patriarchat!

An wen richtet sich der Artikel?
Welche Geschlechter und Orientierungen der Artikel anspricht
Sexuelle Orientierung(en): homosexuell, homosexuell lebend wenn bisexuell
Romantische Orientierung(en): lesbisch, schwul, homoamor lebend wenn biamor
Geschlecht(er): alle
Wer ist mit Frau und Mann gemeint?
  • Frau steht für Mensch mit Vulva, überwiegend in der Rolle „Frau“,
  • Mann steht für Mensch mit Penis, überwiegend in der Rolle „Mann“
Erweiterbar auf:
  • Mensch in der Rolle „Frau“ wünscht sich Sex mit einem weiteren Menschen in der Rolle „Frau“,
  • Mensch in der Rolle „Mann“ wünscht sich Sex mit einem weiteren Menschen in der Rolle „Mann“,
  • alle sexuellen und romantischen Orientierungen.

Diverse alternative Szenen auf der ganzen Welt, z. B. die linkspolitische oder queere Szene, behaupten gerne, das Patriarchat erfolgreich zu bekämpfen. Nachdem ich drei Jahre lang Feldforschung in der queeren Szene betrieben habe, kann ich zwar bestätigen, dass es tatsächlich einige vielversprechende Konzepte gibt, die die patriarchale Struktur zumindest aufweichen. Doch die Idee, das Patriarchat innerhalb der Szene erfolgreich zu bekämpfen, ist ganz einfach falsch.

Die sozialen Rollen „Frau“ und „Mann“ sind genauso wie im heteronormativen Mainstream präsent. Dabei hat die sexuelle Orientierung mit der sozialen Rolle gar nichts zu tun: So kann eine lesbische genauso wie eine Hetero-Frau verhaltensgleich die Rolle „Frau“ einnehmen, lediglich die erotischen und amoren Wünsche sind an ein anderes Geschlecht gerichtet.

In der Lesben- oder FLINT-Szene

In der Lesben-Szene nehmen meistens lesbische (= homoamore) oder biamore Frauen die Rolle „Frau“ ein. Ein biamorer Trans-Mann, eine lesbische Trans-Frau oder ein lesbisch-homoamores weiteres Geschlecht können sich aber genauso in der Rolle „Frau“ verhalten.

In der Rolle „Frau“ unterdrücken diese Menschen ihr Bedürfnis nach der Ebene Lust, da Sex ja nur in Kombination mit der Ebene Liebe erlaubt ist.

Die Ebene Lust ist allerdings die direkte Standleitung zur eigenen Lebensenergie. Die Unterdrückung dieser führt dann zu FLINT-Umgebungen, in denen viele passive Frauen herumstehen und keine großartige soziale Interaktion zustande kommt. Die einzige Ausnahme bilden bestehende Pärchen, die zumindest untereinander eine aktive Ebene Lust haben.

Das Bedürfnis nach der Ebene Lust mit verschiedenen Menschen zu unterdrücken bleibt allerdings niemals ohne Konsequenzen.

So hat sich in fast allen Lesbenszenen der westlichen Gesellschaft ein typisches unbewusstes Verhaltensmuster herausgebildet: Da die Rolle „Frau“ Sex nur in einer Verliebtheit oder Liebesbeziehung zulässt – und das auf beiden Seiten! – sind unter Frauen und weiteren Geschlechtern in der queeren Szene sekundärmotivierte Verliebtheiten so weit verbreitet, dass es viele Kurzzeitbeziehungen, extreme serielle Monogamie und damit verbundenes Drama gibt. Dieses Verhalten tritt so häufig auf, dass es in Lesbenszenen bereits ein Klischee darstellt, und Menschen als der Szene zugehörig kennzeichnet, wenn sie darüber Witze machen.

Ein anderer Weg ist der folgende: Sexuelle Anbahnung zum Spaß wird im heteronormativen Mainstream meistens von Hetero-Männern in der Rolle „Mann“ erfüllt, was unter mehrheitlich Lesben und Schwulen natürlich ausbleibt. Also rutschen anwesende Frauen in diese Rolle: Dykes oder Butches betreiben im Vergleich zur Umgebung oft aktiv sexuelle Anbahnung. Durch Vorspielen der Ebene Liebe „knacken“ sie die Unterdrückung der sexuellen Bedürfnisse des Gegenübers in der Rolle „Frau“ und können so ihre Ebene Lust ausleben.

Da sie sich aber in der Rolle „Mann“ befinden, unterdrücken sie ihrerseits ihre eigene Ebene Liebe. Das dämpft die Fähigkeit, Empathie gegenüber Mitmenschen und deren Gefühlen zu empfinden. Damit fällt es leichter, eine „Traumprinz(essin)“-Maske aufzusetzen. Ein passendes Beispiel dafür ist der Charakter „Shane“ in der Serie „The L Word“. Um Sex zu haben, sagt sie genau das, was ihr Gegenüber in der Rolle „Frau“ hören will. Meistens macht sie sogar gar nichts, und verneint Wünsche, die ihr Gegenüber an sie richtet, einfach nicht. Erst später im Handlungsverlauf stellt sich heraus, dass sie nichts davon wollte, sondern es einfach passieren ließ, solange sie damit im Vorteil war.

Hier möchte ich betonen, dass selbstverständlich nicht alle Dykes oder Butches so tief in der Rolle „Mann“ gefangen sind, dass sie ein Arschloch mit Traumprinz(essin)-Maske werden. Geschieht die Einnahme von beiden Rollen jedoch oft genug, um eine exponentielle Kettenreaktion in Gang zu setzen, kann auch in einer FLINT-Umgebung Rape Culture mit sexuellen Nötigungen und Übergriffen entstehen.

In der schwulen Szene

In der schwulen Szene hingegen herrscht ein konträres Bild: Die Rolle „Mann“ wird dort meistens von schwulen (= homoamoren) oder biamoren Männern angenommen. Ein biamorer Trans-Mann oder ein schwul-homoamores weiteres Geschlecht kann sich aber genauso in der Rolle „Mann“ verhalten.

Diese Menschen lassen dann ihr sexuelles Bedürfnis der Ebene Lust durch; ihr Bedürfnis nach Zärtlichkeit und Liebe auf der Ebene Liebe hingegen unterdrücken sie vor sich selbst und vor anderen. Dadurch entsteht ein sexuell recht offener Raum, in dem Berichte über One-Night-Stands, sexuelle Anbahnungen, Anspielungen oder Scherze mit genitalem Inhalt zum Small Talk gehören. Hat die Mehrheit der Gruppe enthemmende Drogen konsumiert (z. B. Alkohol), tritt dieses Verhalten noch deutlicher auf.

In Beziehung lebende Menschen begegnen dieser sexuellen Offenheit und Promiskuität allerdings mit Distanziertheit und Skepsis. Sind sie als Pärchen unterwegs, halten sie bewusst Abstand und sind eher aufeinander als auf die Gemeinschaft konzentriert. Die Singles beklagen indessen, dass es so schwer ist, einen geeigneten Partner für eine Liebesbeziehung zu finden, oder eine Liebesbeziehung längerfristig stabil zu halten. Gemeinsames Schauen von Online-Dating-Seiten und Besprechen der jeweiligen (gescheiterten) Beziehungserfahrungen inbegriffen.

Das sind direkte Folgen der Unterdrückung der Ebene Liebe: Wenn in einer Liebesbeziehung beide Seiten ihre Ebene Liebe unterdrücken, gibt es keine Verbindungsmöglichkeit zwischen den Gefühlsebenen, die für eine erfolgreiche Liebesbeziehung zwingend notwendig ist.

Einige Schwule oder Bi-Männer, insbesondere wenn diese als „weiblich“ besetzte Persönlichkeitsanteile ausleben wollen, werden durch das Überangebot der Rolle „Mann“ in die Rolle „Frau“ gedrängt. Dann lehnen sie die sexuellen Anspielungen der Gegenüber pikiert ab. Dadurch geraten sie zusätzlich in die Rolle des „Spielverderbers“ und ziehen negative Aufmerksamkeit von bestimmten Menschen in der Rolle „Mann“ auf sich. Diese haben eine eingeschränkte Wahrnehmung von Fairness gegenüber Mitmenschen und erkennen daher die nonverbalen Signale nicht, die die Grenze zwischen Anbahnung und Übergriffigkeit markieren – oder ignorieren solche Signale sogar bewusst. Dieses Verhalten ist dann eine Form von Rape Culture.

Im Marketing:

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die queere Szene demnach kein Ort ist, an dem das Patriarchat überwunden wurde, sondern sogar ein besonders genauer Filter. Er kommt durch die stärkere Geschlechtertrennung als im Mainstream zustande und erlaubt einen guten Blick auf die Anwendung der patriarchalen Lüge:

Die FLINT-Szene auf der einen Seite verstärkt die Verhaltensweisen der Rolle „Frau“ bis ins Absurde, die schwule Szene auf der anderen Seute tut dasselbe mit den Verhaltensweisen der Rolle „Mann“.

Ein interessantes Beispiel dafür sind die Empfehlungen zur LGBT-Kultur Wiens des Unternehmens Wien-Tourismus. So wird für Lesben und Bi-Frauen eine Liste an Cafés und Clubbings angeboten. Die typischen Tätigkeiten dort sind: Miteinander reden, Netzwerken für die queere Szene, Lesen (wenn das Café Bücher hat) und auf Clubbings Tanzen. Für Schwule und Bi-Männer hingegen gibt es eine eigene Liste an Schwulensaunas: Die typischen Tätigkeiten dort sind: Swingen (= Sex zum Spaß) und Thermenbesuch. Zitat eines Schwulen darüber zu mir: „Wenn du dort eine Frau für Sex zum Spaß suchst, musst du sie dir mitbringen!“

Warum gibt es keine „Lesbensauna“, wo ausschließlich Frauen und andere Menschen mit Vulva miteinander geilen Sex zum Spaß haben können? Und kein nettes Büchercafé für ausschließlich Schwule, wo diese in Ruhe sitzen, miteinander reden, netzwerken und lesen können?

Genau: Weil die patriarchale Lüge aktiv ist. Frauen wollen schließlich nur Freundschaft und Liebe und Männer nur Sex.

Rape Culture – Teil 3/3: Auf Kontaktbörsen im Internet

Auf Kontaktbörsen wie Dating- oder Swinger-Websites zeigt sich Rape Culture in belästigenden (= ein „Nein“ ignorierenden) Kontaktaufnahmen und Nachrichten. Wieder sind die Täter_innen Menschen in der Rolle „Mann“, die allem, was weiblich genug erscheint, die Rolle „Frau“ aufprojizieren, egal ob der angesprochene Mensch diese Rolle tatsächlich eingenommen hat. Meistens schlüpfen auch hier wieder Männer in die Rolle „Mann“ und Frauen in die Rolle „Frau“. Die meisten Trans-Menschen und weiteren Geschlechter nehmen je nach ihrer sozialen Prägung und Lebensgeschichte ebenfalls eine der beiden Rollen ein.

Um diese Reaktionen zu erfahren, reicht es aus, sich als Frau, oder weiblich auf einer Online-Kontaktbörse oder Online-Dating-Webseite zu registrieren. Es muss nicht einmal ein Foto hochgeladen sein oder ein einziges Wort im Profil stehen.

Ist eine Frau grundsätzlich an Hetero-Kontaktaufnahmen interessiert, und passieren diese in einer freundlichen oder höflichen Form – kein Problem, darauf beziehe ich mich nicht. Mein Erleben stammt davon, dass ich einige Jahre lang über das Internet Frauen kennenlernen wollte, die mein bisexuelles oder biamores Interesse erwidern würden. Unter Kontaktbörsen für Frau sucht Frau habe ich einige Webseiten aufgelistet, die dafür gut geeignet sind.

Nun wollte ich im Internet keine Männer kennenlernen; ich hatte im Alltag des Mainstreams bereits genügend Anfragen von Hetero-Männern, die meisten davon ungeeignet. Also gab ich das auf jedem meiner Internetprofile an: Frau sucht Frau, Frau sucht lesbisch/bi, lesbisches Interesse, usw. Worauf mich sehr oft Männer anschrieben. Das ist an und für sich kein Problem, es passiert ja, dass jemand nicht genau liest, gerade im Internet. Ein Übergriff und somit Rape Culture wird es in dem Moment, wenn ein „Nein“ oder ein Ignorieren der Kontaktaufnahme vom anschreibenden Mann nicht akzeptiert wird.

Am Anfang antwortete ich noch höflich mit „Kein Interesse, lies bitte mein Profil“. Daraufhin wurde meine Absage aber nicht akzeptiert, im Gegenteil, es ging in 90% der Fälle das gleiche Gespräch los:

Nachfolgend gebe ich die häufigsten Antworten auf mein „Nein“ von ignoranten Männern wieder. Als Kommentar steht eine Auswahl meiner Gedanken, die ich beim Lesen derartiger Nachrichten hatte.

„Warum willst du keine Männer? Hast du schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht?“

Ja, zum Beispiel jetzt gerade mit dir. Und vor fünf Minuten mit dem Kerl, der mir die gleiche Frage gestellt hat.

„Aber möchtest du MICH nicht kennenlernen?“

Hast du eine Muschi? Und Brüste? Und bist du eine Frau? Nein? Dann halt die Klappe.

„Wir könnten doch einfach nur reden und uns besser kennenlernen…“

Du bist auf einer Webseite registriert, wo es vorrangig darum geht, jemanden für Sex zu finden. Du willst weder mit mir reden, noch mich besser kennenlernen. Glaub mir.

(einige Zeit nach einer Absage)
„Du antwortest nicht mehr, hast du das Interesse verloren?“

Nein, ich hatte nie Interesse an dir, du Pfosten! Ein Profil oder einen Nachrichtenverlauf wirst du ja noch lesen können, oder kannst du das auch nicht?

Und wie ich bereits in Was ist Rape Culture und was sind ihre Ursachen? beschrieben habe, schreckten mich die vielen belästigenden Nachrichten so sehr ab, dass ich begann, alle Nachrichten, die nicht von meiner Zielgruppe gesendet wurden, zu ignorieren, und von Männern auf Kontaktbörsen ganz grundsätzlich als „feindliches Lager“ auszugehen.

Und was kann ich gegen Rape Culture auf Kontaktbörsen tun?

Hier ist es einfacher, Grenzen zu ziehen, als in der Öffentlichkeit.

Belästigende User_innen kannst du einfach auf die Ignorier- oder Blockier-Liste setzen, die jede vernünftige Kontaktbörse registrierten User_innen bereitstellt. Je nach Webseite kann dich dann der gesperrte User entweder nicht mehr kontaktieren, oder sogar deine ganze Anwesenheit nicht mehr wahrnehmen, da er dein Profil nicht mehr findet.

Solltest du es mit jemandem zu tun haben, der sich daraufhin immer neue Profile erstellt und dich trotz deiner Absagen oder Nicht-Reaktionen nochmals anschreibt, melde den User mit der Begründung Belästigung den Admin_as der Webseite.

Ich würde empfehlen, auch User zu melden, von denen du mehrmals einen wortgleichen Text erhältst. Hier liegt zwar keine akute persönliche Belästigung vor (wie 1x im Monat derselbe doofe Text als Nachricht), aber du reduzierst damit das Belästigungspotential gegenüber anderen User_innen, da solche Menschen zwar keine Arschlöcher, aber zumindest Idioten sind, die die Website zuspammen.

Hat jemand Daten von dir (Name, Adresse, Kreditkartennummer) oder kennt dich als reale Person, und nutzt das Internet, um dir immer wieder belästigende Nachrichten oder Bedrohungen zu senden, speichere den Verlauf in eine Datei und geh damit zur Polizei. Dieses Verhalten fällt unter „Stalking“ mit eindeutiger gesetzlicher Regelung und kann daher als Straftat angezeigt werden.

Durch Zufall kam ich jedoch auf einen einfachen Trick, um belästigende Anschreiben zu reduzieren.

Bei rein heterosexuellen Männern ging mir bereits im Alltag die Doppelmoral gegenüber Homosexualität (schwule Männer waren abstoßend, lesbische Frauen geil) auf die Nerven. Irgendwann fiel mir auf, dass jeder einzelne heterosexuelle Mann, der in meiner Gegenwart eine herablassende Bemerkung über Schwule gemacht hatte, ignorant und besitzergreifend gegenüber mir (oder anderen Frauen) wurde, sobald auch nur ansatzweise Sex als Thema im Raum stand.

Um diesen Zusammenhang zu testen, mischte ich auf dem Portal Websingles.at unter meine Profilangaben folgende (erfundene) Aussage:

Liebe Männer: Hetero-Männer finde ich fad, sry Jungs! Bi- oder bi-neugierige Männer – schreibt mich an, das könnte spannend werden 😉

Mit dem Erfolg hatte ich nicht gerechnet. Was einfach dazu dienen sollte, mir weniger nervige Nachrichten zu bescheren, beendete die Sache völlig: Über Nacht fiel die Quote der belästigenden Nachrichten von ein bis zwei pro Tag auf etwa vier solcher Nachrichten im folgenden Jahr.

Dabei stand dieser Text nicht einmal oben in meinem Profil, sondern mitten in meiner Beschreibung. Das war der Beweis: Arschlöcher im Internet lesen tatsächlich Profile! Sie entscheiden sich offenbar dann nur dagegen, den Inhalt irgendwie ernst zu nehmen.

Meine Erklärung dafür ist, dass Männer, die gegenüber Frauen homophob sind (= die Angabe „lesbisch“ oder „Frau sucht Frau“ ignorieren), ganz einfach immer homophob sind, also auch gegenüber Männern und letztendlich sich selbst. Mich anzuschreiben, würde sie dann als bisexuell kennzeichnen, und, wuaaah, das geht gar nicht, denn echte Männer stehen ja bekanntlich niemals auf andere Männer…

Was bedeutet queer?

Im englischen Sprachraum wurde das Wort ursprünglich als Beschimpfung oder abwertende Eigenschaft benutzt. Es bezeichnet als Adjektiv Dinge oder Personen, die von der Norm abweichen. Auf Deutsch bedeutete queer seltsam oder eigenartig. Seit den 1980er-Jahren wurde das Wort insbesondere von der Schwulen-, Bi- und Lesben-Bewegung positiv besetzt und wird heute von dieser als Eigenbezeichnung verwendet: Queere Bewegung, queere Szene, queere Subkultur. Das Kürzel LGBT fasst die am häufigsten vorkommenden Identitäten in der queeren Szene zusammen (Lesbian, Gay, Bi, Trans) und wird deshalb oft als Synonym verwendet.

Daneben gibt es noch andere Definitionen von queer, die sich nicht ausschließlich um homoamore und homosexuelle Orientierungen drehen, sondern auch weitere Geschlechter, und alternative Lebensweisen miteinschließen, welche als einzigen gemeinsamen Nenner „nicht Teil der Mehrheit“ beinhalten. Diese werden dann mit anderen Kürzeln wiedergegeben. Die Aufnahme solcher neuer Gruppen unter den Begriff queer sowie die Gestaltung der Kürzel sind allerdings in der queeren Szene und sogar unter Beteiligten der jeweiligen Gruppen heftig umstritten.

Das zweithäufigste Kürzel für die queere Subkultur steht für eine solche Erweiterung und hat deshalb mehr Buchstaben: LGBTQIA* (Lesbian, Gay, Bi, Trans, ergänzt mit Queer, Intersex, Asexual). Der Stern steht für die Menschen, die sich nicht mit den verwendeten Begriffen im Kürzel identifizieren, aber die sich aufgrund anderer persönlicher Eigenschaften als Teil der Bewegung fühlen. LGBTQIA* ist somit ein rekursives Akronym (= Es enthält sich selbst): Es bedeutet queer, enthält queer jedoch nochmal als eigenen Buchstaben. Dieser wird genutzt, um entweder weitere noch nicht genannte Geschlechter, BDSM-Praktizierende, oder Menschen, die Polyamorie leben – oder alle jene Gruppen auf einmal – zu bezeichnen.

Wofür steht FLIT / FLINT?

Das Kürzel FLIT steht für eine Zusammenfassung verschiedener Gruppen innerhalb der queeren Subkultur, die sich um die Orientierung lesbisch (homoamor) und/oder homosexuell drehen. Es steht für Frauen, Lesben sowie Intergeschlechtliche und Trans-Personen, die sich der lesbischen Szene zugehörig fühlen. Lokale, Veranstaltungen und Workshops mit diesem Kürzel sind safe spaces (engl. geschützte Räume) für die genannten Menschen, und beschränken den Eintritt auf diese Gruppen.

Ein geschützter Raum soll den Menschen darin die Möglichkeit bieten, sich über Themen auszutauschen, und gemeinsame Aktivitäten auszuleben, die vom heteronormativen Mainstream unterdrückt werden – durch Unsichtbarmachung (Alle tun so, es gäbe es die Sache nicht), oder Diskriminierung (Beschimpfungen, Abstempelung als „krank“, Verweigerung von Hilfeleistungen, Verfolgung). Zu diesem Zweck sind aus geschützten Räumen bestimmte Menschen ausdrücklich ausgeladen, die diese Verhaltensweisen mitbringen könnten.

Ausgeladen

Aus einem FLIT-Raum ausgeladen sind lediglich Männer, also Menschen, die mit einem Penis geboren wurden und die keinen Wunsch danach haben, ihre Selbstbezeichnung oder ihr Geschlechtsorgan zu ändern.

Einige Betreiber_innen behaupten, dass Männer deswegen ausgeladen wären, weil sie in einer patriarchalen Gesellschaft im Vergleich zu allen anderen Geschlechtern weniger Unterdrückungsmechanismen ausgesetzt seien und somit bei Themen von Frauen oder nicht-binären Geschlechtern schlecht mitreden könnten.

Der häufigste Grund ist jedoch der folgende:

Im heteronormativen Mainstream, also in der Öffentlichkeit oder beim Fortgehen, gibt es leider erschreckend viele hetero lebende Männer, die zu lesbisch lebenden Menschen, also solchen, die als Paar unterwegs sind, oder ganz einfach offen zeigen, dass sie (auch) Frauen begehren, nicht gerade nett sind. Diese unfairen und teilweise übergriffigen Verhaltensweisen sind so häufig, dass fast jede offen lesbisch lebende Frau mindestens ein negatives Erlebnis mit einem Hetero-Mann erzählen kann, das mit ihrer Orientierung zu tun hatte. Der Ursprung solcher Verhaltensweisen sind un- und teilbewusste patriarchale Überzeugungen, die zu toxischer Männlichkeit, also destruktiven Handlungen und Reaktionen, führen. Nachfolgend habe ich die häufigsten Überzeugungen aufgelistet, und welches Verhalten die betreffenden Männer deswegen ausfahren.

Frauen flirten und haben mit anderen Frauen Sex, um damit die Aufmerksamkeit von Männern zu bekommen.

Hetero-Männer kommen „Lesben schauen“. Das wäre kein Problem, wenn die betreffenden Männer bei einer Aufforderung, nicht zu stören, weggehen würden. Stattdessen schleichen sich solche Männer möglichst nahe an flirtende Frauen heran, und scheuen bei erkennbaren Handlungen auch nicht vor Zwischenrufen zurück, in der Hoffnung, dass sie einen Privatporno nach ihren Anweisungen vorgeführt bekommen. Das erzeugt eine richtig schlechte, lauernde Stimmung, in der sich selbst Menschen, die Männer grundsätzlich sexuell anziehend finden, nicht wohlfühlen.

Intersex- und Trans-Menschen wollen durch ihr Aussehen oder Verhalten provozieren.

Hetero-Männer fragen Intersex- und Trans-Menschen, die sie attraktiv finden, gerne aus dem Nichts, was sie denn nun zwischen den Beinen hätten, üblicherweise lautstark, ohne Rücksicht auf die Umgebung, und natürlich ohne vorher festzustellen, ob das angesprochene Gegenüber überhaupt an einer Anmache interessiert ist.

Oftmals liefert der betreffende Mann dann auch noch eine Erklärung, warum das Gegenüber nicht das ausgesuchte Geschlecht, sondern eigentlich eine Frau oder ein Mann sei, sich falsch anziehe, oder falsch verhalte. Das hat bei dem Mann den unbewussten Grund, dass er von seiner sexuellen Anziehung zu diesem „uneindeutigen“ Menschen verunsichert ist, und jetzt durch Zuweisung des „richtigen“ Geschlechts und Verhaltens beweisen will, dass er trotzdem weiterhin absolut hetero und dominant ist, wie es der Mainstream von ihm fordert. Auch viele Gewalttaten gegen Trans-Menschen haben dieses Motiv.

Das Fragen nach dem Geschlechtsorgan wäre im Zuge einer gegenseitigen Anbahnung kein Problem. Wir leben schließlich in einer Welt, in der es völlig homosexuelle und völlig heterosexuelle Menschen gibt, wo also nicht alle Menschen auf alle Geschlechtsorgane stehen. Da jemand nur Sex im Konsens zustimmen kann, über den der betreffende Mensch vorher genügend informiert wurde, ist das zu erwartende Geschlechtsorgan vorzuenthalten oder jegliches Nachfragen zu verunmöglichen oder zu verurteilen, nichtkonsensuell, also übergriffig. Ob die Person, die aus Prinzip nicht gefragt werden will, aus dem Mainstream kommt, nicht-binär, oder trans ist, macht dabei keinen Unterschied: Höfliches Nachfragen ist die einfachste Möglichkeit, diese Information zu erhalten, und muss daher zwischen allen Menschen unproblematisch passieren können.

Das Problem ist bei toxischen Männern vielmehr, wie dieses Nachfragen erfolgt – rücksichtslos, im Befehlston, und mit dem Ziel, das Gegenüber negativen Reaktionen der unmittelbaren Umgebung auszusetzen.

Frauen sind nur als Überbrückung lesbisch, bis sie „den Richtigen“ gefunden haben.

Hetero-Männer baggern anwesende Frauen an, und lassen sich weder durch ein höfliches „Nein“, noch durch „Ich stehe nicht auf Männer“ abwimmeln, in der Annahme, dass sie „der Richtige“ sein könnten. Eine andere Ausprägung davon sind Hetero-Männer, die Lokale der Schwulenszene besuchen, um dort Frauen aufzureißen. Deren Gedankengang geht folgendermaßen: Die Männer sind schwul, die Frauen jedoch keine Lesben, sondern hetero und Freundinnen der anwesenden Schwulen. Da die anwesenden Männer also keine Konkurrenz sind, haben sie als „Hahn im Korb“ bei den Frauen leichtes Spiel. Dieser Glaubenssatz würde wohl unter „so dumm, dass es wieder lustig ist“ fallen, wenn sich die entsprechenden Männer nicht übergriffig verhielten, indem sie nach einem „Nein“ die angebaggerte Lesbe üblicherweise beschimpfen, da sie ihren Irrtum nicht einsehen wollen.

Lesbische Paare haben ohne Penis keinen richtigen Sex und sehnen sich daher nach einem Dreier mit einem Mann.

Hetero-Männer belagern und baggern lesbische Paare aggressiv an. Dabei hilft ein höfliches „Nein“ genauso wenig wie „Das ist meine Freundin, wir sind monogam“.

Ein problematisches Konzept

Männer auszuladen ist daher die einfachste Methode, damit die anwesenden Lesben keiner toxischen Männlichkeit ausgesetzt sind, und sich auf das konzentrieren können, wozu sie in die lesbische Szene gehen: Frauen und nicht-binäre Menschen für Sex oder eine Beziehung kennenzulernen, oder Bekannt- und Freundschaften mit dem gemeinsamen Thema Lesbisch sein zu pflegen.

Das vorhandene Konzept hat allerdings mehrere Probleme: Sowohl die eingeladenen als auch die ausgeladenen Personen sind schwammig definiert, was innerhalb der queeren Szene sowie unter Beteiligten der eingeladenen Gruppen ständige Konflikte um bestimmte Themen schafft:

  1. Alle Männer auszuladen unterstellt gleichzeitig allen Männern, gegenüber Lesben und dort anwesenden Menschen garantiert unfair oder übergriffig zu werden. Das stimmt jedoch für viele Männer einfach nicht, die sehr wohl fähig sind, sich zivilisiert zu unterhalten, oder ein „Nein“ ohne Herumjammern zu akzeptieren. Dadurch vertreibt die Szene Männer, die sich sonst für die queere Szene engagieren, und/oder mit wichtigen Themen für Frauen in Berührung kommen würden, und dadurch besser gegen Unsichtbarmachung und Diskriminierung in ihrer Umgebung auftreten könnten.
  2. Bisexuelle Frauen und nicht-binäre Geschlechter, die in einer Beziehung mit einem Mann leben, dürfen ihren Partner nicht mitbringen, wenn sie in der lesbischen Szene fortgehen – im Gegensatz zu Paaren aus Frauen oder nicht-binären Geschlechtern, die oftmals gemeinsam unterwegs sind. Dadurch engagieren sich bisexuelle Menschen in der Szene weniger, und werden genauso wie im heteronormativen Mainstream unsichtbar gemacht.
  3. Frauen mit maskulinem Aussehen (Butch, Dyke) beklagen, das sie von anderen Menschen in der Szene für einen Mann gehalten werden, die dann den Zutritt zur gewünschten Veranstaltung infrage stellen, oder verweigern.
  4. FTM-Trans-Männer haben oft eine Verbindung zur lesbischen Szene, da sie entweder vor der eigenen Transition in dieser unterwegs waren, oder danach den erhöhten Schutz vor Diskriminierung in Anspruch nehmen. Ihr Zutritt zu diesen geschützten Räumen „ohne Männer“ impliziert jedoch, dass sie „nicht so ganz Mann“ wären, was etwa Gegner von zentralen Transgender-Rechten gerne als Argument aufgreifen.
  5. MTF-Trans-Frauen, die andere Frauen begehren, gehen während oder nach ihrer Transition aufgrund gleicher Interessen, und dem erhöhten Schutz vor Diskriminierung oftmals in die lesbische Szene. Das wird von Teilen der queeren Szene kritisiert, mit der Begründung, dass die meisten Trans-Frauen „als Mann“ erzogen wurden, und damit entweder bei Frauenthemen nicht mitreden könnten, oder genauso wie Männer toxische Männlichkeit in die Szene bringen würden.
  6. Ausgeladene Männer werden als „Menschen mit Penis“ definiert, während andere Menschen mit einem männlichen Geschlechtsorgan jedoch eingeladen sind. In einem Raum, in dem sich mehr als zwei Geschlechter entfalten können, verschwindet auch die „binäre“ Zuordnung von Geschlechtsorganen: Alle Begriffe – Frau, Mann, Trans(gender), sowie die Selbstbezeichnungen von nicht-binären Menschen – enthalten keine Aussage über das vorhandene Geschlechtsorgan. Das heizt immer wieder die Diskussion an, ob das primäre Geschlechtsorgan (Vulva, Penis, oder Intersex) beim Zutritt überhaupt nicht relevant sein darf, oder doch berücksichtigt werden sollte.
  7. Diese Diskussion wird teilweise von erbitterten Fraktionen geführt, von denen einige Gruppierungen wie TERF (Trans-Exclusionary Radical Feminists) den völligen Ausschluss von Trans-Menschen fordern, um wieder eine „binäre“ Ordnung herzustellen, und dies u. A. mit paranoiden Interpretationen begründen, wie dass Trans-Frauen Männer wären, die sich als Frauen verkleiden, um Lesben verführen zu können.
  8. Währenddessen findet die angeblich transfreundliche Gegenseite bereits jede Erwähnung eines Zusammenhangs zwischen Geschlecht und Körperlichkeit „transphob“ – außer bei Hetero-Männern, deren Ausschluss nach wie vor mit einer körperlichen Eigenschaft begründet wird. Konkrete Lösungsansätze fǘr die alltägliche Unsichtbarmachung oder Maßnahmen gegen Gewalt an nicht-binären und Trans-Menschen kommen hingegen im gesamten Diskurs nicht vor.
Updates

Im Jahr 2017 setzte sich mit FLINT allmählich ein neues Kürzel für dieselbe Szene durch, das wahlweise auch mit Stern (FLINT*) geschrieben wird. Das neue N steht für nicht-binäre Personen, also weitere Geschlechter abseits der binären Geschlechter Frau und Mann. Das Kürzel lädt also nun Frauen, Lesben, Intergeschlechtliche Personen, Nicht-binäre Geschlechter und Trans-Personen ein. Intergeschlechtliche fallen jedoch unter die Gruppe der nicht-binären Geschlechter, wodurch die Bedeutung des I doppelt vorkommt.

Im Jahr 2019 tauchte die Entwicklung auf, das L für Lesben fallweise wegzulassen, sodass FINT übrigbleibt. Dadurch fühlen sich jedoch einige lesbische Frauen unsichtbar gemacht, insbesondere ältere Lesben, die die heutige Szene mit aufgebaut haben. Hinter FINT steckt allerdings die Überlegung, nur noch die eingeladenen Geschlechter im Kürzel zu haben, welche alle lesbisch leben können, was eine extra Erwähnung überflüssig machen würde, genauso wie Buchstaben für andere sexuelle Orientierungen oder Lebensweisen.

Kontaktbörsen für Frau sucht Frau

Über das Internet Kontakte für Sex zum Spaß oder Beziehungsanbahnung anzustreben, ist für die meisten Menschen mittlerweile Standard.

In den Jahren, in denen ich als Single gelebt habe und Beziehungsanbahnung mit Frauen und Männern noch ein Thema für mich war, fand ich es erstaunlich, wie einfach es war, meiner heteroamoren Neigung zu folgen und Männer kennenzulernen. Frauen, die meine lesbische Neigung erwidert hätten, waren hingegen im heteronormativen Mainstream schwer zu finden.

Bezüglich Sex zum Spaß bot sich das gleiche Bild: Heterosexuelle Gelegenheiten waren fast immer vorhanden; einfach so auf eine Frau zu treffen, die ebenso an gleichgeschlechtlichem Sex interessiert war, passierte jedoch sehr selten.

Da ich am Land aufgewachsen bin, war es aufgrund der eingeschränkten Mobilität (im Vergleich zur Großstadt Wien) umständlich, in Kontakt mit einer lokalen queeren Szene zu treten, oder diesen zu halten. Also versuchte ich mein Glück im Internet und den diversen Kontaktbörsen dort. Meine Suche nach gleichgeschlechtlichen Kontakten in Österreich gestaltete sich ob der Omnipräsenz von Hetero-Kontaktbörsen jedoch als schwierig. Außerdem sind die meisten Seiten auf Deutschland ausgerichtet, weswegen mögliche lokale Kontakte eher untergehen.

Dennoch ist aus diesem vergangenen Interesse die folgende Liste an Internetseiten entstanden. Ich habe sie nach und nach durch gezielte Recherche oder private Hinweise zusammengetragen. Diese Webseiten bieten, im Gegensatz zu vielen Hetero-Kontaktbörsen, die das nicht oder nur ungenügend tun, einen Fokus auf das Kontakteknüpfen zwischen Frauen (und weiteren Geschlechtern), die lesbischen Sex/bisexuelle Erlebnisse oder lesbische/biamore Beziehungsanbahnung suchen.

Ich habe diese Seiten bewertet und die meiner Meinung nach Vor- und Nachteile aufgelistet. Durch einen Klick auf „Bewertung“ wirst du zu dem entsprechenden Artikel weitergeleitet.

Mit der Spalte „Belästigende Nachrichten“ sind Nachrichten von Hetero-Männern gemeint, die trotz der expliziten Angabe, dass nur Kontaktaufnahme von Frauen gewünscht ist, ihr Glück versuchen. Meistens akzeptieren diese dann kein „Nein“ oder „Kein Interesse“, und schreiben mit oder ohne Antwort immer wieder Nachrichten (= eine Ausprägung von Rape Culture im Internet).

Ich empfehle dafür die Blockier-Funktion, die alle diese Webseiten für registrierte User_innen anbieten. Solltest du auf so einer Webseite auch männlichen Hetero-Kontakten offen sein, und diesbezügliche (nicht belästigende) Anfragen bekommen, kannst du die Angabe in der Tabelle getrost beiseite lassen.

Catflirt.at Bewertung
Gofeminin.de Bewertung
Joyclub.de Bewertung
Lesarion.de Bewertung
Rainbow.at Bewertung
Secret.at Bewertung
Das Forum von Woman-4-Woman Bewertung
Websingles.at

Hier sind die erwähnten Kontaktbörsen nach den – meiner Meinung nach – wichtigsten Eigenschaften sortiert:

Mitglieder aus Österreich Sortierung nach Alter und Wohnort Mail-Benachrichtigung bei neuer Nachricht Belästigende Nachrichten
Catflirt.at Einige Ja Ja Häufig
Gofeminin.de Viele aus Wien, sonst wenige Ja, aber nicht nach Bundesland Ja Nur zu später Stunde
Joyclub.de Viele Ja Nein Selten
Lesarion.de Viele Ja Ja Selten (von Frauen)
Rainbow.at Viele Ja Nein Selten
Secret.at Wenige Ja Ja Selten
Websingles.at Viele Ja Ja Häufig
Das Forum von Woman-4-Woman Wenige Nein Nein Nie

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