Wie geht guter Sex? – Teil 3/4: Wie besorge ich es als Mann einer Frau so richtig?

An wen richtet sich der Artikel?
Welche Geschlechter und Orientierungen der Artikel anspricht
Sexuelle Orientierung(en): heterosexuell, heterosexuell lebend wenn bisexuell
Romantische Orientierung(en): heteroamor, heteroamor lebend wenn biamor
Geschlecht(er): Mann
Wer ist mit Frau und Mann gemeint?
  • Frau steht für Mensch mit Vulva, überwiegend in der Rolle „Frau“,
  • Mann steht für Mensch mit Penis, überwiegend in der Rolle „Mann“
Erweiterbar auf:
  • alle Menschen, die sich überwiegend in der Rolle „Mann“ verhalten,
  • alle sexuellen und romantischen Orientierungen

Viele Hetero- oder Bi-Frauen in einer Hetero-Beziehung klagen das folgende Leid:

„Mein Freund/Mann stochert beim Sex nur irgendwie in mir herum. Seine Bewegungen fühlen sich zwar angenehm an, aber aufregend ist der Sex nicht. Ich komme beim Ficken selten / gar nicht. Mit einer anderen Spielart wie Selbstbefriedigung / Oralverkehr klappt es besser.“

Ein Mann, der „herumstochert“, wirkt auf die Frau so, als ob er seine Bewegungen nach dem Zufall oder nur nach seinem eigenen Lustgefühl auswählt.

Dass der Mann so ungeschickt ist, liegt fast immer daran, dass er mit Sex unerfahren ist. Entweder hat er noch nicht oft Sex gehabt, oder seine vergangenen Sex-Erlebnisse und/oder Ex-Beziehungen waren mit Frauen, die ebenfalls unerfahren waren und ihm keine Anleitung geben konnten.

Wie ich beobachtet habe, steckt hinter dieser ungeschickten Art aber ein System. Den wenigsten Männern ist es nämlich völlig egal, ob sie der Frau Lust machen. Der Grund ist vielmehr toxische Männlichkeit, also die Umsetzung von Verhaltensregeln der Rolle „Mann“, die die meisten Männer anerzogen bekommen. Eine falsche Überzeugung der Rolle „Mann“ behauptet:

„Mehr ist immer gleich besser.“

Das betrifft natürlich auch die männliche Sexualität – davon kommt die Obsession und der Minderwertigkeitskomplex vieler Männer, ob ihr bestes Stück auch groß genug ist („Größer ist immer gleich besser“). Für die meisten Frauen ist das Ausmaß dieser Sorge eines Mannes oft vollkommen unverständlich, entweder weil sie in der Rolle „Frau“ und damit ohne einen solchen Glaubenssatz erzogen wurden, oder weil sie als Besitzerinnen einer Scheide aus eigener Erfahrung wissen, dass ein zu großer Penis beim Sex kompliziert oder sogar schmerzhaft sein kann. Letzere finden den Mann mit dem größten Penis daher als erotisches Experiment durchaus interessant, bevorzugen aber für eine längerfristige Verbindung oder eine Beziehung einen Mann mit einer praktischen Größe.

Beim Hetero-Sex, konkret beim Ficken in die Muschi – aber auch beim Fingern, Lecken, vaginaler Penetration mit einem Dildo sowie allen Arten analer Penetration – passiert nun Folgendes: Der Mann denkt, dass härter, schneller oder tiefer immer besser ist. Das führt dann zu zwei Verhaltensweisen, über die sich so viele Frauen beschweren, dass diese in Gesprächen unter Frauen bereits Klischeestatus erreicht haben:

  1. Am Beginn der Penetration dringt der Mann gleich mal bis zum Anschlag ein, gefolgt von schnellen Stößen, in der Annahme, dass die Frau bei so einem Raketenstart besonders abheben würde.
  2. Sobald die Frau erste Lustsignale zeigt, erhöht er (nochmals) sein Tempo oder stößt tiefer zu. Seine Annahme ist: Wenn seine Bewegungen vorher schon gut waren, dann müssen sie für die Frau schneller oder tiefer ja noch besser sein.

Beide Techniken sind jedoch ein Missverständnis: Die meisten Frauen funktionieren so nicht.

Raketenstart

Damit eine Frau Bewegungen in der Scheide überhaupt lustvoll finden kann, müssen zwei Bedingungen der Fall sein:

  • Sie muss eine ausreichende vaginale Erektion haben.
  • Sowohl ihre Scheide als auch der Scheideneingang müssen feucht genug sein.
Vaginale Erektion

Frauen bekommen genauso wie Männer eine Erektion im Genitalbereich, sobald sie genügend entspannt und erregt sind. Warum viele das überraschend finden, ist einerseits unvollständige Sexualaufklärung und andererseits, weil eine vaginale Erektion hauptsächlich in der Scheide passiert, und damit von außen weniger sichtbar als ein steifer Penis ist. Sonst läuft jedoch alles gleich ab: Zuerst schwellen die Klitorisperle und die Vulvalippen an. Das entspricht dem Halbsteifen eines Mannes. Damit wird der Genitalbereich empfindlicher für Berührungen, was für den nächsten Schritt notwendig ist, denn für eine volle Erektion brauchen die meisten Menschen Berührungen ihres Genitalbereichs, die sie anregend finden. Dann schwillt das Gewebe rund um die Scheide an, was die Scheide flexibel und dehnbar macht. Diese Vorgang heißt vaginale Erektion und entspricht einer vollen Erektion eines Mannes. Genau wie ein Mann nur mit ausreichend Erektion in die Scheide einer Frau gleiten kann, kann eine Frau nur mit einer ausreichend vaginalen Erektion Penetration lustvoll finden. Solange die Frau eine vaginale Erektion hat, passt sich jede Scheide bzw. das Gewebe rundherum automatisch an die Länge, Dicke und Form eines eingeführten Penis, Fingers oder Gegenstands an. Das macht der Körper jeder Frau automatisch, ohne dass sie es bewusst mitbekommt.

Übrigens steckt ein falschen Verständnis der vaginalen Erektion hinter der Behauptung, dass sich die Scheide einer Frau ausweiten würde, sobald sie oft und/oder mit vielen Männern Sex hat. Jede Scheide wird zwar weiter, sobald sie erigiert ist, nimmt aber, sobald die Erektion abgeklungen ist, wieder ihre ursprüngliche Größe an – ganz genau wie der Penis eines Mannes. Warum sogar Frauen diese dumme Behauptung trotzdem glauben und weitererzählen, hat außer Slutshaming den Hintergrund, dass sich die Scheide mit zunehmender sexueller Erfahrung, nach verschiedenen Penisgrößen, oder nach einer Geburt spürbar leichter dehnt und an große Größen anpasst als davor – die Scheide wird also elastischer, nicht weiter.

Wie lange es dauert, bis sich eine vaginale Erektion auf eine eingeführte Größe einstellt, ist allerdings von Frau zu Frau und Situation verschieden – von wenigen Sekunden bis zu einigen Minuten. Beides ist gesund und richtet sich sowohl nach der Entspannung der Frau, als auch wie gut ihre Scheide vor der Penetration innen und außen „angewärmt“ wurde, was auch Vorspiel genannt wird. Haben die bisherigen Berührungen (oder deren Abwesenheit) ihr nicht gefallen, und/oder hat sie zu wenig Zeit bekommen, um sich auf die „Füllung“ einzustellen, reibt die Penetration an den noch unangepassten Stellen, was sich in der Scheide unangenehm anfühlt.

Die (mögliche) Entspannung der Frau hängt wesentlich davon ab, ob sich der Mann um ihre Wünsche genauso kümmert wie um die eigenen, also, ob ihm Fairness wichtig ist. Leider gibt es immer wieder Männer, die Vorspiel zu geben überflüssig finden, und es nur nach Aufforderung der Frau und/oder sichtlich genervt anbieten. Das Ironische daran ist, dass sich ein Mann dieses Typs selbst immer ein ausreichendes Vorspiel gönnt, indem er sich mit Fantasien oder Pornos antörnt, oder Hand anlegt. So angewärmt, richtet er samt Erektion seine Aufmerksamkeit auf die Frau, die vom Penetrationswunsch überrascht wird, und somit klarerweise keine oder zu wenig Erektion hat. Eine weitere Ausprägung ist, dass die Beteiligten gleichzeitig beginnen, und der Mann genießt, wenn die Frau ihm „einen hochbläst“ oder zugreift. Sobald er eine ausreichende Erektion hat, möchte er die Penetration beginnen – während die Frau gar nicht dasselbe Maß an Zeit und lustvollen Berührungen genießen konnte, um ebenfalls eine ausreichende Erektion zu bekommen.

Feuchtigkeit

Zwar wird jede Frau feucht, wenn sie erregt ist, die Flüssigkeitsmenge ist jedoch von Frau zu Frau unterschiedlich. Manche rinnen förmlich aus, andere produzieren nur ein paar Tropfen, die von außen erst nach dem Sex sichtbar sind. Beides ist gesund und sagt nichts darüber aus, wie sehr sie gerade Sex will: Eine sehr feuchte Frau will deswegen nicht unbedingt harten Sex, und eine scheinbar trockene Frau kann gerade völlig spitz sein. Gehört sie zu den Frauen, die durch Eigenproduktion generell wenig feucht werden, oder hat sie gerade einen weniger feuchten Tag, kann eine gute Befeuchtung durch Gleitgel, Spucke, oder schleimhautverträgliche Cremes hergestellt werden (Wasser hilft übrigens nicht, weil es nicht gleitet!). Diese Gleitfähigkeit muss allerdings überall in der Scheide, außen rund um die Scheide und an den Lippen gegeben sein – andernfalls haftet und „zieht“ die Penetration an der zu trockenen Stelle und erzeugt dadurch ein unangenehmes Gefühl.

Die ersten paar Stöße sind daher sowohl dazu da, dem Körper der Frau zu ermöglichen, sich ausreichend anzupassen, als auch um die Befeuchtung gleichmäßig zu verteilen.

Wenn der Mann nun mit der größten Tiefe und/oder dem schnellsten Tempo die Penetration beginnt, erzeugt das bei den meisten Frauen nicht etwa die angepeilten Lustgefühle, sondern ein neutrales, langweiliges Gefühl oder ein unangenehmes Ziepen oder Reiben. Wohl eher nicht der ideale Anfang von gutem Sex. Für eine sensible Frau oder eine, die gerade eine Infektion (wie einen Harnwegsinfekt) hinter sich hat, kann diese Technik sogar hauptsächlich schmerzvoll sein, was ihre Lust auf den gerade angefangenen Sex höchstwahrscheinlich abrupt beendet.

Beschleunigung ist nicht gleich besser

Damit eine Frau (und jeder empfangende Sexualpartner) überhaupt Lust empfinden kann, muss sie sich „bewegen lassen“, also sich fallen lassen und mitschwingen. Wenn sie Lustsignale zeigt, tut sie das deswegen, weil sie gerade gut mitgeht – sie genießt also die Bewegungen des Mannes, wie sie jetzt gerade sind. Wenn der Mann an dieser Stelle seine Bewegung ändert, verändert er auch die Situation, in die sich die Frau hinein entspannt hat – und zieht ihr so das Lustgefühl plötzlich wieder weg. Die Frau braucht dann einige Zeit, um sich auf die neuen Bedingungen einzustellen. Sobald sie sich genügend entspannt hat, zeigt sie wieder Lustsignale – und der Mann beschleunigt wieder eine seiner Bewegungen, usw.

Diese lineare Abfolge zu durchschauen wäre ja noch einfach. Was das Ganze kompliziert macht, ist, dass ein Mann natürlich keine beliebig beschleunigbare Fickmaschine ist, sondern ein Mensch. Deswegen wird der Mann, der versucht, ständig zu beschleunigen und härter zu ficken, irgendwann plötzlich wieder langsamer werden, entweder weil ihm das schnelle Stoßen zu anstrengend geworden ist oder weil er durch die starke Reizung für seinen Geschmack zu schnell kommen würde (oder bereits gekommen ist).

Das bringt die Frau nun vollständig aus dem Konzept: Jedes Mal, wenn sie sich gerade gut entspannt hat und Lust empfindet, wird ihr das Lustgefühl weggezogen. Außerdem wird der Mann nicht nur abrupt schneller, sondern auch abrupt langsamer, und das in scheinbar zufälliger Reihenfolge, sodass sie nicht weiß, auf was sie sich nun einstellen soll. Das Ergebnis ist entweder eine Frau, die sich beim Sex übermäßig konzentrieren muss, um dabei dauerhaft Lust zu haben oder zu kommen – oder eine Frau, die gar nicht (mehr) mitmacht und die nur darauf wartet, bis er endlich kommt, weil ihr die Konzentrationsübung zu anstrengend (geworden) ist.

Als Mann kannst du aus dieser Spirale folgendermaßen aussteigen:

Bevor du etwas in ihre Scheide steckst, fass die Frau erst einmal an anderen Körperstellen so an, dass sie Lust empfindet. Die meisten Frauen mögen, wenn du dich von oben oder unten in Richtung Genitalbereich vorarbeitest. Erst danach ist Penetration dran.

Egal wie dringend du sie hart ficken möchtest – wenn es dir ein Anliegen ist, dass sie es genießt, muss sich ihre Scheide an deinen Penis in Größe und Form angepasst haben, bevor du richtig loslegst. Das erreichst du mit einer der folgenden Techniken:

  • Streichle zuerst ihren Scheideneingang, und beginne sie dann langsam (!) zu fingern. Nach kurzer Zeit wirst du spüren, wie ihre Scheide weiter wird. Sobald du bequem so viele Finger in sie schieben kannst, wie dein Penis breit ist, kannst du ihn einsetzen.
  • Schieb deinen Penis ganz tief hinein, beweg dich aber dann nicht weiter, oder mach nur kleine Stöße, um deine eigene Erektion aufrecht zu erhalten. Mach das solange, bis sie ihren ganzen Körper sichtbar entspannt (oder dir sagt, dass du dich bewegen sollst).
  • Beginne die Penetration halb so tief und halb so schnell als du es jetzt gerne hättest. Wenn du Tiefe und/oder Tempo steigern willst, tu das als Faustregel erst nach dem fünften Stoß.

Ausnahme: Sie sagt dir direkt, dass sie einen Quickie ohne Vorspiel möchte, sie ein vollkommen anderes Vorspiel heiß findet, oder dass du sofort tiefer oder schneller machen sollst.

Wenn die Frau nach dieser Anfangsphase Lustsignale zeigt (also plötzlich schneller atmet, stöhnt, seufzt, oder „Ja“ sagt), beweg dich exakt so weiter, wie du gerade tust. Dabei ist es übrigens egal, ob du sie gerade schnell oder langsam fickst – Hauptsache, der Rhythmus bleibt gleich! Wähle daher am besten eine ausreichend bequeme Stellung sowie Tiefe und Tempo so, dass du länger als ein paar Sekunden ohne Änderung weitermachen kannst.

Ändere Tiefe und Tempo nur dann, wenn:

  • sie dir direkt sagt, dass sie es jetzt gerne schneller oder langsamer, tiefer oder weniger tief hätte
  • du die Bewegung selbst zu wenig lustvoll findest
  • oder du unbequem liegst/sitzt/stehst und eine bequemere Position finden willst.

Wenn die Frau nicht (mehr) mitmacht (du also nicht erkennen kannst, ob sie gerade döst, im Kopf die nächste Einkaufsliste schreibt, auf den in der Nähe laufenden Fernseher starrt, oder mit dir Sex hat), bitte sie darum, dir während dem Sex zu zeigen oder zu sagen, was sich gut anfühlt. Wenn sie nicht stöhnen möchte, ist das kein Problem – sie kann auch einfach „Ja“ an den Stellen sagen, wo es für sie gerade lustvoll ist.

Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die männliche Lust eher in einer stetigen exponentiellen Kurve, die weibliche Lust aber eher in größer werdenden Wellen kommt. Wenn sich etwas für die Frau ein paar Sekunden lang eher lauwarm anfühlt, macht das nichts – die nächste Lustwelle ist höchstwahrscheinlich schon auf ihrem Weg. Wenn sie hingegen signalisiert, dass sich etwas länger als eine halbe Minute lauwarm anfühlt und auch nicht besser wird – oder generell eine Reaktion zeigt, mit der du dich nicht auskennst – pausiere deine Bewegungen, und frage sie, was sie sich gerade von dir wünscht. Wenn sie dir das nicht sagen kann, weil sie sich selbst nicht sicher ist, ermutige sie, ein bisschen herumzuprobieren. Wenn sie selbstbewusst ist, wird sie von alleine mit dem Herumprobieren beginnen.

Lass ihr dafür Zeit und Platz: Sie wird nicht sofort die perfekte Position finden (können), und etwa mehrmals Arme, Beine oder Becken neu positionieren, bevor ihr weitermachen könnt. Eventuell fordert sie dich auf, mit den Bewegungen weiterzumachen, und signalisiert kurz darauf, dass sie sich eine weitere Unterbrechung wünscht, weil sich die Stellung doch nicht so gut anfühlt, wie sie dachte.

Frage sie nicht sofort nach der Änderung, ob sie es besser findet – so schnell kann sie das gar nicht wissen, da sich ihr Körper erst auf die neuen Bedingungen einstellen muss. Mach einfach weiter: Wenn die Änderung eine gute Idee war, wirst du es an ihren erneuten Lustsignalen erkennen. Falls du dir unsicher bist, kannst du natürlich nachfragen – aber bitte mit etwas Zeitverzögerung.

Die folgenden Lösungen sind häufig:

  • die Position geringfügig zu verlagern
  • zusätzliche Befeuchtung zu verwenden oder nachzulegen
  • zuviel Befeuchtung wegzuwischen
  • das Tempo zu ändern
  • die Tiefe zu ändern
  • eine andere Stellung auszuprobieren
  • ihr etwas Abstand zu lassen, damit sie sich selbst zusätzlich streicheln kann

Ein wahrscheinliches Ergebnis ihres Herumprobierens wird sein, dass sie ihre Klitoris streichelt oder sich an etwas reibt, um zu kommen. Das kann vor, während, und nach der Penetration für sie angenehm sein. Eventuell überrascht es dich, dass sie durch deine Penetration allein nicht kommen kann, weil du das aus Pornos und Sexszenen in Filmen gewöhnt bist. Falls du dich fragst, ob deswegen mit ihr oder mit dir etwas falsch ist, kannst du beruhigt sein: Du bist einer Aufklärungslüge auf den Leim gegangen. Hier eine kleine Anatomiestunde:

Frauen haben einen Orgasmus, wenn die äußeren oder inneren Teile der Klitoris genügend stimuliert werden. Durch Penetration wird ein innerer Teil rund um die Scheide aktiviert, was überhaupt erst ermöglicht, dass sich Penetration gut anfühlt. Die Scheide selbst hat nämlich nicht viele Nervenbahnen, da diese jede unvorsichtige Bewegung in der Scheide schmerzhaft machen würden – jede Penetration, und jede Geburt noch mehr als sie schon ist. Die Lage der Klitoris hat also einen klaren Sinn und Zweck. Damit eine Frau durch Penetration genügend Lust empfinden kann, um zu kommen, muss ebenjenes Gewebe der Klitoris allerdings günstig liegen und eine bestimmte Größe erreichen (was während der Entwicklung im Mutterleib und in der Pubertät passiert). Eine solche Lage kommt allerdings nicht oft vor: Nur jede 5. Frau kann durch Penetration allein kommen. Manche Frauen brauchen dafür sogar eine ganz bestimmte Größe und Form eines Penis / Dildos – mit allen geht es nicht. Vier von fünf Frauen kommen mithilfe der anderen Teile der Klitoris, die durch Penetration nur indirekt stimuliert werden: der Klitorisperle, und den Teilen, die in den inneren Vulvalippen verlaufen. Glücklicherweise gibt es Finger und, seit der Erfindung des Vibrators, Sexspielzeuge für genau diesen Zweck.

Alle diese Verhaltensweisen sind gesund und ein wesentlicher Bestandteil von gutem Sex – sie ermöglichen, die besten Bedingungen zu finden, unter denen alle Beteiligten gleichermaßen Lust empfinden können.

Pass auf, falls du feststellst, dass du Ergebnisse ihres Herumprobierens plötzlich nicht so attraktiv findest und ihr das mitteilen möchtest. Sie wurde in der Rolle „Frau“ erzogen, was bedeutet, dass sie ihr Leben lang vom Großteil ihres Umfelds für ihre Sexualität und Eigeninitiave abgewertet wurde. Dass sie sich nun darauf eingelassen hat, ihren Körper zu spüren, und vor dir damit experimentiert, hat daher bereits eine Menge Mut erfordert. Wenn du ihr Herumprobieren jetzt abschätzig, ungeduldig und/oder genervt über dich ergehen lässt, oder sogar abwertend kommentierst („Du schaust aber seltsam aus!“, „‚Wäh, was machst du da?!“, „Bist du eine Schlampe, oder was?“, usw.), kann das bewirken, dass sie entweder:

  • kein weiteres Mal mit dir Sex haben wird,
  • den Sex verärgert abbricht, und dich aufgrund deines unfairen Verhaltens konfrontiert,
  • ihr Experimentieren beendet, und danach demotiviert das macht, was du dir von ihr erwartest. Das hat üblicherweise Wochen oder Monate zur Folge, in denen ihr entweder langweiligen Sex habt, der jedes Mal genau gleich abläuft, oder sie Sex sogar völlig verweigert, und ihre Ausreden immer kreativer werden (sie etwa jedes Mal, wenn du Sex vorschlägst, „Migräne“ hat). Indem du unbewusst deine toxische Männlichkeit fortgesetzt hast, hast du sie darin bestärkt, in ihre anerzogene Rolle, die Rolle „Frau“, zurückzufallen. Das Ergebis ist toxische Weiblichkeit. Wenn du ab sofort mit dem Slutshaming aufhörst, und stattdessen ihre „seltsamen“ sexuellen Wünsche als eine natürliche Eigenschaft ihrer Person behandelst, wird sie dir nach einiger Zeit wieder genügend vertrauen, um eure Quest für guten Sex wiederaufzunehmen.

Als beste Strategie schau ihr daher beim Herumprobieren einfach kommentarlos zu und/oder unterstütze sie dabei (Polster zurechtrücken, Gleitgel reichen, usw.). Wenn du merkst, dass du ungeduldig wirst, entspanne dich mit dem Gedanken, dass euer Sex nicht immer so bleiben wird, sondern dass sie gerade Techniken herausfindet, die sie in ein paar Monaten viel schneller anwenden wird (können), weil sie durch das Herumprobieren ein gutes Gespür für ihren eigenen Körper, ihre sexuellen Wünsche, und dich als Sexualpartner entwickeln konnte. Was du sehr wohl mitteilen kannst und auch sollst, sind hingegen Komplimente, oder wenn es für dich körperlich unangenehm wird.

Auf den ersten Blick ist eine sexuell unerfahrene Frau, die Sex mit dir sehr wohl genießen möchte, aber einfach nicht besser weiß, wie sie das in die Tat umsetzen kann, nur schwer zu unterscheiden von einer absichtlich ignoranten Frau, die gar kein Interesse daran hat, mit dir Lust zu empfinden, sondern den Sex stattdessen als Währung einsetzt, um von dir romantische Aufmerksamkeit, Geschenke oder finanzielle Unterstützung zu erpressen („sich aushalten lassen“). Die Anwendung aller dieser Maßnahmen ermöglicht dir, zweifelsfrei zu erkennen, welchen der beiden Typen du vor dir hast.

Du hast es wahrscheinlich mit einer absichtlich ignoranten Frau zu tun, wenn sie:

  • auf deine Bitten, dir mitzuteilen, was sie denn gut oder nicht gut findet, nicht reagiert – sowohl während dem Sex, als auch in Gesprächen danach,
  • zwar behauptet, dass sie beim Sex interaktiver sein möchte, aber dann wieder erstarrt und nichts tut, und dich nie wieder darauf anspricht
  • dich aggressiv anfährt, wenn du beim Sex eine Pause machst, und sie freundlich fragst, was sie sich wünscht
  • dir vorhält, dass deine Gesprächsversuche „unreif“ oder „nervig“ wären, und dass „ein echter Mann“ ihre Bedürfnisse von alleine und ohne zu fragen wissen müsse – oder ein vergangener Sexualpartner es einfach so gewusst hätte.

Sollte sie eine dieser Reaktionen ausfahren, brich den Sex am besten ab und fordere faires Verhalten ein. Wenn sie sich nicht auskennt, und nachfragt, hat sie wahrscheinlich aus Angst destruktiv reagiert, da sie voreilig annimmt, dass du sie wie so viele andere Männer vor dir abwerten wirst, sobald sie ehrlich ihre Lust herzeigt. Sei dann sehr freundlich zu ihr, und versichere ihr, dass du sie weiterhin fair behandeln wirst. Falls sie jedoch keine Lernbereitschaft zeigt und versucht, einen Streit vom Zaun zu brechen, zieh dich an und gehe, auch dann, wenn die Sexpartnerin deine Freundin/Frau ist. Besser ein Streit, nach dem sie sich auf ein ehrliches Gespräch einlässt, und ihr danach besseren Sex habt, als ein Leben lang schlechten Sex.