Wie funktioniert gesunde Polyamorie? – Teil 4/4: Die Zeiteinteilung meiner Triade

 

 

Wir bestehen aus drei Paarbeziehungen (symbolisiert durch die Linien mit Herz):
Zwei Hetero-Paarbeziehungen und einer lesbischen Paarbeziehung. Zusätzlich dazu gibt es noch das gesamte Dreieck, nämlich wenn wir zu dritt miteinander Zeit verbringen (symbolisiert durch den gepunkteten Kreis).

Wir haben also drei verschiedene Zu-zweit-Räume sowie einen Zu-dritt-Raum. Jeder dieser Räume hat eigene Traditionen, gemeinsame Interessen, Gesprächsthemen, Freizeitaktivitäten, usw., genauso wie jede gesunde Liebesbeziehung zwischen zwei Menschen über Zeit ganz eigene Umgangsformen entwickelt. Natürlich sind wir auch individuelle Menschen, und haben dann noch unsere jeweiligen Allein-Zeiten (die praktischerweise während einer Zu-zweit-Zeit der anderen beiden erfolgen können).

Um für uns als Triade genügend Zeit und Energie zu haben, arbeiten wir alle bewusst Teilzeit, und organisieren unsere Arbeitstage so, dass wir möglichst überlappend arbeiten bzw. Freizeit haben.

Außerdem haben wir uns ein eigenes Aufteilungsmodell ausgedacht:

Pro Woche hat jede Liebesbeziehung für sechs Stunden eine Zu-zweit-Zeit. Der_die Dritte hat währenddessen entweder Zeit für sich alleine, unternimmt etwas mit Freund_innen, oder geht arbeiten. Allerdings bedeutet das nicht, dass der_die Dritte deswegen ausgesperrt wäre. Er_Sie kann jederzeit wegen zeitkritischen Anliegen Kontakt suchen oder kurz eine liebe Geste machen, solange der Fokus auf dem jeweiligen Paar auf Zu-zweit-Zeit bleibt. Oft macht das Paar auf Zu-zweit-Zeit auch einen Ausflug, aber ist per Handy grundsätzlich erreichbar. Wenn wir alle am selben Ort sind, hält sich der_die Dritte meistens in einem anderen Zimmer auf, kann jedoch jederzeit den Raum der anderen betreten.

Tauchen Bedürfnisse des_der Dritten auf, die mehr Zeit benötigen, verhandeln wir darüber und verschieben oder unterbrechen gegebenenfalls die vereinbarte Zu-zweit-Zeit. Falls aus den 6 Stunden eine bestimmte Zeit übrig bleibt, wird diese entweder gesondert nachgeholt oder an die nächste jeweilige Zu-zweit-Zeit drangehängt.

Dieser Grundsatz funktioniert, solange sich alle Beteiligten daran halten und somit alle drei Zu-zweit-Zeiten den gleichen Platz bekommen. Aus dieser Beschreibung ist ersichtlich, dass unser Beziehungsalltag nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis eine vier Mal höhere Komplexität als eine Zweierbeziehung aufweist.

Update, September 2020:

Wir sind mittlerweile seit mehr als fünf Jahren als Triade zusammen. Während die geplanten Zu-zweit-Zeiten bis in unser drittes Jahr zwingend notwendig waren, um Eifersucht in alle Richtungen zu vermeiden, gehen wir mittlerweile lockerer damit um, weil wir das System „im Gefühl“ haben: Wir verteilen eine Runde Zu-zweit-Zeiten manchmal über zwei Wochen, oder haben für einige Wochen keine vollständige, machen dafür aber alle paar Tage meistens spontan eine kürzere von ein oder zwei Stunden, die wir nicht stundenweise aufrechnen. Solange alle Beteiligten in etwa die gleiche Zeit bekommen und keine längeren Ungleichheiten entstehen, gibt es kaum Eifersucht. Dazwischen verbringen wir Zeit zu dritt: Wir führen entweder angeregte Diskussionen, bingen Serien, gehen spazieren, oder beschäftigen uns auch mal stundenlang jeweils für uns, während wir im selben Raum sitzen, oder über offene Türen immer wieder Kontakt halten.